Kann es einen Buchtitel geben, der mehr Lust auf Lesen macht? Zumindest dann, wenn man gerade entdeckt hat, wie sich die Buchstaben zusammenziehen lassen zu Wörtern? Wenn man verstanden hat, dass man so endlich selbst zu den Geschichten kommt, die bisher die Eltern vorgelesen haben? „Entschuldigung, flüsterte der Riese“.

Das Buch hält, was der Titel verspricht. Da gerät ein Riese auf seinem Weg zum Meer versehentlich in eine Stadt und weiß nicht weiter. Freundlich möchte er nun die Menschen nach dem Weg fragen, schaut auf Augenhöhe durch die Fenster – und jagt ihnen reihenweise Schrecken ein. „Entschuldigung, flüsterte der Riese“ ist das neueste Buch von Kirsten Boie; Miriam Cordes hat es sprechend illustriert: Man sieht, was man liest. Ungeachtet des Titels ist das Buch winzig klein, zehn mal zehn Zentimeter misst es im Quadrat, 24 Seiten umfasst es nur. Es ist ein Pixibuch. So heißt – Großeltern, Onkel, Tanten, Eltern und natürlich Kinder wissen das – eine Bilderbuchart, die in Buch- und Spielwarenläden so angeboten wird, dass man gern gleich mehrere davon für kleine Hände kauft.

Boie, beliebt als Erfinderin vom „Kleinen Ritter Trenk“ und des Königreichs „Skogland“, hat sich die Geschichte für ein Bündel von Sonderausgaben ausgedacht: Pixi feiert Geburtstag. Die Buchreihe wurde 1954 ins Leben gerufen mit niedlichen Tier- und Spielzeuggeschichten. Sie hat sich zu einem markenrechtlich geschützten Erzählschatz entwickelt. In Schubfächern und Schuhkartons, in Plastiktüten und unter Kopfkissen horten Kinder seit Jahrzehnten die Büchlein.

Pixi auf Albanisch

Eltern reichen eigene angeknabberte und bekritzelte Exemplare an die Nachkommen weiter, gerührt von den Erinnerungen, die darin stecken. Mehr als 460 Millionen Stück wurden in den sechzig Jahren allein in Deutschland verkauft. Kostete vor 60 Jahren ein Büchlein 50 Pfennig, sind es heute 99 Cent. Der Erfolg des Carlsen-Verlags ließ sich auch exportieren, sodass es Pixi auch auf Albanisch und Finnisch, auf Englisch und Chinesisch gibt.

Die Bücher erscheinen in Serien, auf die sich die Sammelleidenschaft der Kinder manchmal ganz speziell stürzt. Mal sind es Geschichten um eine Figur, mal Märchen. Mal steckt sichtbar pädagogischer Anspruch dahinter, wenn es um Zähne putzende Krokodile geht. Wer „Conni im Kindergarten“ erlebt hat, traktiert seine Eltern auch mit der verreisenden, im Krankenhaus liegenden, Fußball spielenden, Ballett tanzenden – überhaupt alles könnenden Conni.

Wer nach dem Vorlesen sagt „Ich hab einen Freund, der ist Pilot“, wünscht sich die Berufsporträts von Imker, Tierpflegerin oder Lastwagenfahrer dazu. Auch Gedichte von James Krüss oder Franz Fühmann kann man mit Pixi kennenlernen, Monster jagen, Freundschaften schließen und Streit aushalten.

Mehr als 2000 verschiedene Titel gibt es. Viele berühmte Autoren haben schon für Pixi geschrieben, weil ihnen die Idee gefällt, den Start in ein Leben mit Büchern zu begleiten. In der Serie zum 60. Pixi-Geburtstag sind auch Peter Härtling, Andreas Steinhöfel und Cornelia Funke dabei.