Als Tom Tykwer zu Beginn der Preisverleihung gefragt wurde, ob die Leute wohl überrascht sein würden von den Entscheidungen seiner Jury, sagte der Präsident ganz unpräsidial: „Fifty-fifty“. Wie sich herausstellen sollte, hatte er mit „halbe-halbe“ noch vorsichtig untertrieben, zumindest was den Hauptpreis betrifft. Der Goldene Bär der 68. Berliner Filmfestspiele geht an den rumänischen Experimentalfilm „Touch Me Not“ von Adine Pintilie. Damit hatten wohl selbst diejenigen nicht gerechnet, die den heftig diskutierten Beitrag, sagen wir mal, interessant fanden. Bei den Vorstellungen während der Berlinale hatte der Film Fluchtreflexe beim Publikum und auch bei den professionellen Beobachtern ausgelöst. Was absolut nicht gegen ihn sprechen muss, aber eben auch nicht für ihn.

Die 38-jährige Regisseurin aus Bukarest behandelt in ihrem Langfilmdebüt Fragen von Intimität, Körperlichkeit, Berührungsängsten und Schamgefühl auf eine Weise, die extrem herausfordernd auf den Zuschauer wirkt. Ihr Film ist eine Zumutung, in jeglicher Hinsicht. Man kann sich ihr stellen oder verweigern. Gleich zu Beginn widmet sich die Kamera in einer maßlosen Großaufnahme dem nackten Körper eines jungen Mannes, die Härchen auf den Beinen wachsen wie Kaktusstacheln aus der weißen Haut. Dann erreicht der Blick sein Genital.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.