BerlinIm Internet kursiert ein zweites Musikvideo von dem Amerika-Song, den der A-ha-Mitbegründer Magne Furuholmen vor einem halben Jahr herausgebracht hat, damals schön bebildert mit animierten Buchstaben. 

Es geht um eine Frau, die im Keller ihre Aufzeichnungen aus Mädchentagen wiederfindet und darin ein Bild von einem freien Amerika, das sie kaum wiedererkennt. Und die merkt, wie sie sich selbst fremd geworden ist mit dem in Scherben gegangenen Amerika der Gegenwart: aufgerissene Gräben, faule Kredite, die uns um die Ohren fliegen, so wie Apple-Pie, Shooting Stars und Musclecars. Eine kaputte Lustreise, mit einem Affen am Steuer − „This is now America“. Ein übersichtlicher, gerade so in Schwung bleibender Beatloop, darüber Gitarrenakkorde und die weite zarte Stimme von Furuholmen. Nordische Melancholie, die dann einsetzt, wenn man irgendwann − ungetröstet − fertig ist mit Weinen.

Das zweite, seit ein paar Tagen im Nets ansehbaren Video (siehe oben) ist eine Zusammenarbeit Furuholmens mit Vegard Vinge und Ida Müller. Und das lässt das letzte Schmalzigkeitsvorurteil gegen A-ha zerplatzen. Das Vinge-Müller-Duo ist bekannt für seine zwölfstündigen Totaltheaternächte mit Blut und Schmerz in liebevoll aus Pappe ausgeschnittenen Welten.

Hier nun gibt es diese Ästhetik in einer knappen Siebenminutenversion. Und sie zündet. Auch − Achtung! − weil sie vor schlimmen Bildern nicht zurückzuckt: Ein adoleszenter Junge mit rührenden Pausbacken vegetiert im Souterrain bei Cola und Cornflakes vor dem Bildschirm, Nachrichtenbilder und Videospiele vermischen sich, irgendwann scheint er selbst eine Kampfdrohne zu steuern. Assange und Snowden schweben als Superhelden durchs Bild, die Mutter ertappt ihn beim Onanieren, später wackelt sie mit blutigem gehäutetem Kopf. Angst- und Wutbilder aus dem weggesperrten Unbewussten, die sich entladen. Amerika, der Westen, wir: ein Fall für die Couch. Kein Trost.