Fontaines D.C. während ihres Konzerts im BiNuu, Berlin.
Foto: imago images /Votos-Roland Owsnitzki

„Dublin in the rain is mine“, lauteten die ersten Worte von Fontaines D.C. -Sänger Grian Chattens auf „Dogrel”, dem Debütalbum der jungen Dubliner Band. Tatsächlich bestimmte diese Regen-Romantik den weiteren Werdegang der Gruppe: Das neue und zweite Album „A Hero’s Death” enthält deutlich mehr schwadige Verschleierungen, introspektiv Balladeskes sowie brüchige Gedanken als das eher durchgehend auf die Zwölf hauende Debüt von 2019.

Interessant ist zudem, dass „Dublin in the rain is mine“, das übrigens aus dem Lied „Big” stammt, den Regen mit „I’m gonna be big” auflöst - was sich ebenfalls als korrekte Prophezeiung erwies. Denn Fontaines D.C. wurde tatsächlich schnell groß - durch eine Dynamik, die sich aus einem gemeinsamen Interesse für Lyrik, einer warmen Leidenschaft für traditionell eher bewusst kalt gespielte Post-Punk-Klänge sowie aus extensiven Tourneen entwickelte. Das gefiel vor allem den Hörern im anglo-irischen Raum.

„A Hero’s Death“ ist ein Begleiter für des jungen Menschens Seelenleid

Laut eigener Aussage zerbrach die Band aber beinahe an ihren konstanten Live-Verpflichtungen. Eine Tour wurde so auch zugunsten einer Neufindungsperiode abgesagt, die letztlich dann den Grundstein für die neue Platte legte. In diesem Sinne ist „A Hero’s Death” ein klassisches zweites Album geworden. Doch bei allem Verhandeln von Beinah-Nervenzusammenbrüchen und Zweifeln, die das neue Album prägen, ist es dennoch kein selbstreferenzielles Musiker-Leid-Werk geworden, sondern bietet Anknüpfungspunkte für das, was Menschen in ihren Zwanzigern so bewegt:

„Life isn’t always empty” singt Fontaines D.C. -Sänger Grian Chatten etwa wieder und wieder im Titelstück des Albums. Dazu legt sich ein monolithischer Dur-Moll-Puls, ein Backgroundgesang mit „Uuuh”, die dann langsam in ein frenetisches Krachen übergehen. Dieser einzige erkennbar ironische Moment auf der Platte wird schließlich in seiner ambivalenten Mischung aus Hoffnung und Verbitterung zum ihrem zentralen Moment.

An anderer Stelle, etwa im Lied „Televised Mind“ oder dem Schlussstück „No” erinnert Chatten gesanglich an eine kuriose, nicht immer angenehme Mischung aus Ian Curtis und Liam Gallagher. Auch würde ich den Jungs raten, fürderhin vom Komponieren von Balladen abzusehen und vielleicht von der Melodie wieder zurück zum vornehmlich gesprochenen Textvortrag des Debüts zurückzufinden: Ihre sensible Seite kam hier besser zur Geltung als auf neuem Walzer-Kitsch wie „Oh such a spring”. Dennoch - mit seinen expandierten, vernebelten Gitarrenflächen ist „A Hero’s Death” ein guter Begleiter für des jungen Menschens Seelenleid – dem ein Schauer ja auch mal ganz gut tut.

Fontaines D.C. – „A Hero’s Death“ (Pias/Partisan Records/Rough Trade) erscheint am 31. Juli