Die Schwedische Akademie versteht es erneut, zu überraschen – auf Abdulrazak Gurnah, den neuen Nobelpreisträger für Literatur hatte kaum jemand gewettet. Die Auszeichnung für den 1948 auf Sansibar geborenen Autor spricht aber für deren Bemühen, eine Literatur in den Blickpunkt zu rücken, die in unserem Jahrhundert eine wichtigere Rolle spielen sollte. Gurnah kam Ende mit 18 Jahren als Flüchtling nach England und studierte Literatur. Als Dozent kehrte er von 1980 bis 1982 auf den afrikanischen Kontinent zurück und lehrte an der Universität von Kano in Nigeria. Seit 1982 ist sein Zuhause in Kent, Großbritannien, dort promovierte er und war bis zu seiner Pensionierung vor Kurzem Professor für Englisch und postkoloniale Literaturen an der University of Kent in Canterbury. Als Literaturwissenschaftler beschäftigt er sich unter anderem mit Wole Soyinka – Nobelpreisträger von 1986, Ngugi wa Thiong'o – auch in diesem Jahr wieder als Nobelpreis-Kandidat gehandelt - und Salman Rushdie.

In Großbritannien längst ein wichtiger Autor

Seinen Durchbruch als Autor erlebte er in den Neunzigerjahren mit seinem vierten Roman „Paradise“, auf Deutsch 1996 als „Das verlorene Paradies“ erschienen. Reiben sich die Buchhändler hierzulande nun die Augen, weil seine anderen übersetzten Titel wie „Die Abtrünnigen“ (2006) und „Schwarz auf Weiß“ (2005) derzeit nicht lieferbar sind, gehört er im angloamerikanischen Raum zu den vielbeachteten Autoren. Zweimal war er für den Booker-Prize nominiert. Die Begründung der Nobelpreis-Jury zeigt, wie wichtig es heute ist, sich seinen zehn Romanen zu nähern. Die Auszeichnung werde ihm zuerkannt „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Flüchtlingsschicksals in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“. Das Thema der Zerrissenheit des Flüchtlings ziehe sich wie ein roter Faden durch sein Werk, heißt es auf der Webseite des Nobelkomitees. Er verbindet seinen biografischen und kulturhistorischen Hintergrund mit der Gegenwart verbindet.  Sansibar war einst Ausgangspunkt für den Sklavenhandel nach Amerika und Europa und ein für die Wirtschaft attraktiver Hafen.