Ingmar Stadelmann: „Mein Plan ist es, nichts wegzulassen.“
Foto: Robert Maschke

BerlinIn der letzten Ausgabe der „Abendshow“ Ende September trat Ingmar Stadelmann noch als großspuriger Chef des „E-Scooter-Departments“ im RBB an und verspottete so den Medienhype gegenüber dem Vehikel. In der neuen Ausgabe am Donnerstag wird er schon seinen Kopf für die gesamte „Abendshow“ hinhalten und die Sendung moderieren. Seine beiden Vorgänger bekamen nicht mal die Chance, sich vom Publikum zu verabschieden. Britta Steffenhagen und Marco Seiffert hätten der Show „vom Start weg eine erstklassige Präsenz“ verschafft, lobhudelte Heiner Heller, beim RBB verantwortlich für „Unterhaltung und junge Formate“.

"Abendshow"-Start - ein Desaster

Dabei war der Start des RBB-Satireformats vor zwei Jahren ein Desaster – und viel besser wurde es auch nicht mehr, weder inhaltlich noch quotentechnisch. Die Show wollte sowohl „unterhaltsam-satirisch“ wie „politisch zupackend“ sein. Doch diese Kombination funktionierte nie, Berichte über ernste Themen blieben Fremdkörper, wurden zuletzt immer weniger eingestreut. Ebenso wenig gelang das Zusammenspiel der Moderatoren. Marco Seiffert, eine beliebte Radiostimme, wirkte vor der Kamera linkisch. Britta Steffenhagen dagegen versuchte, ihre schalen Gags mit Geschrei und Grimmassen zu verbreiten, was alles nur noch schlimmer machte. So empörte sie sich in der letzten Ausgabe minutenlang darüber, dass im September, wie in jedem Jahre, schon wieder Lebkuchen angeboten werden.

Dabei hätte Berlin, laut RBB die „aufregendste Stadt der Welt“, viel mehr zu bieten als solche altbackenen Meckereien. „Wir müssen viel mehr abbilden, was Berlin eigentlich ist“, betont Ingmar Stadelmann. Der aus der Altmark stammende Wahlberliner und Radiomoderator hat viele Erfahrungen damit, den Wahnsinn, aber auch die liebevollen Skurrilität dieser Stadt einzufangen und auf die Bühne zu bringen. In seinem dritten Programm „Fressefreiheit“ spielte er mit dem Berliner Humor und den Berliner Typen − vom Kellner bis zum Kampfradler − vor vollen Sälen in ganz Deutschland und machte die Erfahrung, dass das überall funktioniert: „Der Einheimische sagt: Stimmt! Der Auswärtige sagt: Witzig!“ Gern agiert der Stand-up-Comedian mit dem Publikum – das würde auch der „Abendshow“ guttun.

Zugleich streitet Stadelmann unter dem Motto „Fressefreiheit“ auch dafür, über alles offen zu sprechen – und so mancher Kollege beklagt sich darüber, dass er auf der Bühne mehr wagen könne als im Fernsehen. Stadelmann ist sich des Problems bewusst, will vor allem gegen die eigene „Selbstbeschneidung“ ankämpfen und baut auf das Vertrauen der RBB-Redakteure, das ihm schon seit Jahren bei Radio Fritz entgegengebracht wird. „Mein Plan ist es, nichts wegzulassen: Wir sollten über alles sprechen, über alles Witze machen, über alles lachen und über alles nachdenken.“

Format Late-Night-Show

Eine wichtige Baustelle sieht er darin, sich mit dem RBB-Team „warmzuarbeiten“ und dessen Potenzial endlich „auf die Straße zu bringen“. Als neuer Redaktionsleiter wird der gebürtige Wiener Robert Wilde arbeiten, mit dem Stadelmann schon für die „heute show“ im ZDF kooperiert hat. Ihr Beitrag über die Wiener „Hakenkreuzschnitzel“ sorgte 2016 für Wirbel. Einschränken muss Stadelmann dafür seine Bühnenauftritte – seine für 2020 geplante Tour zum neuen Programm „Verschissmus“ muss er eindampfen, um die „Abendshow“ live moderieren zu können. Der bekennende Harald-Schmidt-Fan will in der Sendung formal an die traditionellen Late-Night-Shows mit Sidekick und Band anknüpfen und verspricht schon für die heutige Ausgabe echte Überraschungen.

Die Abendshow donnerstags 20.15 Uhr, RBB