Berlin - Die meistgenannten drei sowie der originellste oder wichtigste Vorschlag würden inszeniert. Ein hübscher Beitrag in der Krise-der-Demokratie-Debatte. Die Abstimmung läuft seit über vier Wochen. Im Moment, da dies aufgeschrieben wird, sind 1371 Stimmen gezählt und auf der Thalia-Homepage veröffentlicht. Anders als befürchtet, liegen nicht die abgelutschtesten Stücke vorn, sondern: auf Platz drei „Jack, the Ripper − das Musical“. 135 Menschen kennen das Werk und wollen es sehen. Wäre man jetzt nicht drauf gekommen, aber immerhin hat man von diesem Jack schon mal was gehört. Im Gegensatz zu „Die Erbsenfrau“, 136 Stimmen, 2. Platz.

Bei dem Dramatiker Jens Nielsen handelt es sich um einen Schweizer. Jemand, der Erfahrungen mit der direkten Demokratie hat. Nichts wie angerufen! Hat er zufällig eine Erklärung dafür, dass sein Stück so oft gewählt wurde? „Das habe ich lanciert“, antwortet Nielsen freundlich und führt aus, dass er Freunde angerufen und angemailt habe, damit sie für ihn stimmen. Mit der Nachfrage, ob das denn nicht Schummel sei, kann er nichts anfangen. Seine Stücke seien gut. Er sei einfach nur zu unbekannt, als dass er eine Chance hätte. Übrigens glaube er nicht, dass er gewinnt, denn es werden sicher noch andere mit mehr Freunden auf die Idee kommen. Also, wer hat mehr Freunde als Nielsen? Peter Handke? Volker Braun?

Zum Thema: Wie torpediere ich die Direkte-Demokratie-Projekte eines Konkurrenten?, gibt die Hamburger Off-Spielstätte Kampnagel ein Beispiel. Unter dem Slogan: „Ein Herz für das Theater“ wird dazu aufgerufen, für das eben noch auf Platz acht liegende Musical „Black Rider“ von Robert Wilson und Tom Waits zu votieren, das bereits im Thalia lief. Wenn jetzt die Wilson-Freunde gewinnen (bestimmt mehr als 139), würde man die Thalia-Intendanz zwingen, sich in den Schatten eines Vorvorgänger-Erfolges zu stellen. Und während dieser Text entsteht, rutscht „Black Rider“ bereits auf Platz eins (166).