Mit einem ungewöhnlichen Anliegen bekam es in dieser Woche Tillmann Allmer zu tun. „Mit Mutter telefoniert. Sie wollte lernen, wie man #AdBlocker installiert“, schreibt Allmer auf Twitter, wo er unter dem Nutzernamen @tristessedeluxe zu finden ist. Allmer verriet auch, wer seine Mutter auf diese für ihre Verhältnisse wohl recht verwegene Idee gebracht hatte: „Hat sie auf Spon gelesen. Gut gemacht @spiegelonline!“

Die Frau ist mitnichten die Einzige, die sich neuerdings verstärkt für Adblocker interessiert. Als Erweiterung des Browsers sorgen diese Programme dafür, dass Reklame auf Internetseiten ausgeblendet wird. Der wohl bekannteste Vertreter dieses Genres ist Adblock Plus, ein kostenloses Add-on, das von einer Entwickler-Community geschrieben und gepflegt wird. Und wie Adblock Plus über den offiziellen Twitteraccount wissen ließ, sind die Installationen der Erweiterung seit Beginn der Woche um 129 Prozent gestiegen, das Spendenaufkommen zur Unterstützung des Projektes gar um 167 Prozent.

Dieses gesteigerte Interesse ist das Verdienst einer Kampagne, die eigentlich genau das Gegenteil bewirken sollte. In einer gemeinsamen Aktion haben Redaktionen wie Spiegel Online, Zeit Online, golem.de und faz.net ihre Leser aufgefordert, beim Besuch ihrer Seiten die Adblocker auszuschalten.

Geblockt: Werbeeinnahmen

Die Online-Medien sehen ihr Geschäftsmodell durch die Werbe-Verbanner bedroht. Bei rund 25 Prozent aller Aufrufe der Seite verhinderten Adblocker, dass Werbung ausgespielt wird, heißt es in der Erklärung bei Spiegel Online. Entsprechend geringer fallen die Werbeeinnahmen aus. „Es ist ein Appell an die Solidarität der Leser und das Anliegen, eine Basis dafür zu schaffen, möglichst große Teile der Qualitätsangebote kostenfrei halten zu können“, schreibt die Redaktion. Darunter wird erklärt, wie sich Adblocker für einzelne Seiten deaktivieren lassen.

Die Reaktionen auf diese Bitte fielen trotz des freundlichen Tonfalls alles andere verständnisvoll aus. Ulf Heyden, Leiter Channelmanagement bei Focus Online, spricht von einem „Eigentor“ und einem „PR-Desaster“. Medienberater Thomas Koch witzelt, die Verlage verstünden das „Internetz“ wohl nicht mehr. Besonders drastisch klingt die, nun ja, Absage von Bloggerin Meike Lobo in ihrem Blog „Fuck you, I’m human“ : „Eher sterbe ich an einem Herzinfarkt und verfaule mit größtmöglicher Geruchsbelästigung vor meinem Computer sitzend, als dass ich meinen Werbeblocker ausschalte.“

Dabei gibt es auch unter den Kommentatoren Verständnis für das Grundproblem, dass die Inhalte von werbefinanzierten Angeboten sich ohne Werbung eben nicht finanzieren lassen. „Eins steht fest: Wenn wir für Online-Artikel nicht zahlen wollen, müssen wir uns fragen, wer dann noch wie ausführlich recherchieren kann“, schreibt auf Facebook die ehemalige politische Geschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband.

Für Missfallen sorgt vor allem die Art der Werbung auf Newsseiten. So hat Adblock Plus auf den Appell der Redaktionen reagiert und wiederum Verlage und Werbetreibende aufgefordert, sie sollten besser „Werbung nicht gegen, sondern für den Nutzer zu machen“. Davon sind viele Seiten derzeit weit entfernt, sagen Kritiker. „Seite wird blau, Handys blinken, Postbank-Video läuft, ein animierter VW. Nee, sorry“, schreibt etwa Twitter-Nutzer @kmnd, nachdem er sich sueddeutsche.de offenbar testweise einmal ohne Adblocker angesehen hat. Er hat das Programm hinterher wohl schnell wieder eingeschaltet.