Berlin - Adel Tawil hat jetzt ein Luxusproblem. Von seinem Ende 2013 erschienenen ersten Soloalbum „Lieder“ verkauften sich mehr als 500 000 Exemplare als CD, Vinyl oder Downloads. Das brachte ihm fünfmal Gold. Die Latte liegt also hoch. Verständlich, dass sich Tawil bis jetzt für sein zweites Soloalbum Zeit ließ. Das soll „So schön anders“ heißen und noch in diesem Frühjahr erscheinen. Das Gänsehautlied „Gott steh mir bei“, das dann auch auf dem Album herauskommen wird, hat er unter dem Eindruck des Anschlags auf dem Breitscheidplatz spontan zum Klavier aufgenommen und ins Netz gestellt.

Auch wenn Tawil noch am endgültigen Album im Studio feilt (in drei Wochen muss er die fertig gemischten Aufnahmen bei der Plattenfirma abgeben), stellte er am Donnerstagabend schon mal in kleiner Runde im Soho House einige Titel vor und erntete damit viel Beifall. Adel Tawil ging durch die harte Schule einer Boy-Band (The Boyz). Es folgten künstlerisch kreative und glückliche gemeinsame Jahre mit der Produzentin Annette Humpe beim gemeinsamen Projekt Ich+Ich. Das ging auseinander, weil sie sich nicht mehr den Stress von Liveauftritten antun wollte. Anfangs trat er ohne sie als Ich+Ich auf, aber irgendwann ging es unter dem Namen Adel Tawil weiter.

Auszeit auf Hawaii

In der Zeit seit seinem letzten Album ist viel passiert. Ausverkaufte Konzerte machten ihn glücklich, die Trennung von seiner Frau und das Medienecho darauf bedrückten ihn. Die notwendige Ruhe für das neue Album fand der Sänger auf Hawaii. Im Haus eines Freundes mitten im Dschungel: „Da gibt es nichts, gar nichts. Als ich über den Berg gefahren bin, auf dessen Rückseite er wohnt, war plötzlich alles still. Im Radio nur noch Rauschen. Und mein Handy war tot.“ In der totalen

Unerreichbarkeit des Dschungels wusste er plötzlich: „Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Jetzt kann ich arbeiten.“ Später flog er noch für einige Tage nach Ägypten, um am Pool auf Inspiration für die Arbeit an den neuen Liedtexten zu warten. Bei einem Sprung in das Schwimmbassin prallte Tawil mit dem Kopf auf den Boden des Beckens. Ihm tat danach der Nacken weh. Er ließ  sich im Krankenhaus untersuchen. Nach dem Blick auf das Röntgenbild gerieten die Umstehenden in Unruhe. Sie legten Tawil ganz vorsichtig auf eine Liege und fixierten ihn. Sein erster Halswirbel war vierfach gebrochen. Bei anderen genügt ein einzelner Bruch, um sie ins Jenseits zu befördern. Oder für ein Leben im Rollstuhl. Tawil ließ  sich nach Berlin bringen und von Spezialisten in der Charité behandeln.

Neues Album: "So schön anders"

Nun gehört zum Repertoire seiner Erlebnisse, aus denen er für seine künstlerische Arbeit schöpfen kann, auch dieses: Er ist dem Tod entkommen. Und hätte gern darauf verzichtet. Aber passiert ist passiert. Auf seinem neuen Album „So schön anders“ wird es um Tawils Leben in den vergangenen Jahren gehen: „Ich habe einfach alles erzählt, was mir passiert ist. Ich habe den ganzen Schmerz reingepackt und die ganz großen Glücksmomente.“

Es möge sich bitte niemand wundern, wenn es mit dem dritten Solo-Album von Adel Tawil dann länger dauert. Neue Alben, so seine bisherigen Erfahrungen, stürzen ihn nämlich zuverlässig in lebensbedrohliche Umstände. „Beim zweiten der vierfache Halswirbelbruch, nachdem ich beim ersten einen Blinddarmdurchbruch hatte. Vielleicht sollte ich das dritte Album in einer Gummizelle mit gut gepolsterten Wänden aufnehmen.“