Berlin - Die britische Sängerin Adele Laurie Blue Adkins war 19, als sie mit dem gleichnamigen Album 2008 die große Popbühne betrat, ein bisschen Vamp, ein bisschen Unschuld vom Lande. Ausgestattet mit einer überwältigenden Singstimme und einem Hang zum Balladesk-Melodramatischen reüssierte sie als neuestes Versprechen der Musikbranche. Wie nebenbei flossen dutzendfach Songs aus ihrer Feder, als hätte sie nie etwas anderes getan. Und selbst wenn sie die Songs von anderen coverte, etwa Bob Dylans „Make You Feel My Love“, so meinen heute nicht wenige, dass dies ein typischer Adele-Titel sei.

Frei von modischen Trends und Stilen setzte Adele auf die Einzigkeit ihres Gesangs, der trotz der pathetischen Gesten ein Schutz zu sein schien. Eine junge Frau wollte auf die Bühne, um den Verletzungen des Alltags zu entgehen.

Adele etablierte einen Sound altersloser Opulenz, ihrem zweiten Album „21“ konnte man als durchschnittlicher Mediennutzer kaum entgehen. „Rolling In The Deep“, „Set Fire To The Rain“ und „Someone Like You“ sind Adele-Klassiker, die selbst als Fahrstuhluntermalung nur nach oben wollen.

Im Modus einer ewig jungen Influencerin

Auf der Bühne offerierte Adele die Reife einer Diva, im Privatleben aber war das Bild der selbstsicheren Performerin bald erschüttert von privaten Krisen und auffälligen Imagewechseln. Ähnlich wie später Billie Eilish, die aus der Verpuppung der unsicheren Teenagerin in den Modus einer modebewussten Influencerin wechselte, wirkte Adele bald wie eine, die nachträglich die schlimmen Phasen des erlittenen Bodyshamings zu beheben versucht.

Warum sie das alles hier lesen? Adele nimmt Anlauf zu einem neuen Album, „30“ soll es heißen, eine erste Singleauskopplung erscheint am Freitag. Die 33-Jährige präsentiert sich als unwiderstehliches Covergirl, das erst im Kontext von „19“, „21“ und „25“ eine künstlerische und biografische Entwicklung freigibt. „Easy On Me“ lautet der Titel der aktuellen Single, aber natürlich sind Metamorphosen nie einfach. Ihr Sound befriedigte früh die Illusionen einer satten Vollständigkeit, die die neue Adele nicht widerruft, sondern zu neuen Höhen antreibt.