Ausschnitt aus der Dokumentation „Assurance“ der DJane Juba.
Foto: Tomasz Kurianowicz

BerlinMan muss es als ersten Versuch sehen, als Test für den Herbst: Im Silent Green im Wedding ist erstmals seit vielen Monaten eine Veranstaltung im Innenraum, in dem renovierten ehemaligen Krematorium gestartet. Nur 70 Menschen dürfen in dem Kuppelbau Platz nehmen, wo zwischen den Stühlen 1,50 Meter Abstand herrscht. Vor dem Eintritt muss man seine Adresse eintragen, die Hände desinfizieren, eine Maske aufsetzen und beim Gehen auf die Pfeile am Boden achten (es herrscht Einbahnstraßensystem). 

Am Freitag fand die zweite Veranstaltung des Mini-Festivals „Female to Empower“ statt, bei dem Frauen über ihre Erfahrungen in der Musikindustrie sprechen. Dieses Mal ging es ganz explizit um die Perspektive von schwarzen Frauen und weiblichen People of Colour. Als Einführung wurde die Dokumentation „Assurance“ der DJane Juba gezeigt, die aus London nach Berlin gezogen ist und nigerianische Wurzeln hat. (Den ganzen Film kann man auch auf YouTube sehen.)

Der Dokumentarfilm „Assurance“ der DJane Juba.

Quelle: YouTube

Für ihr Werk ist sie nach Nigeria gefahren, um das Leben und die Herausforderungen von DJ-Künstlerinnen zu porträtieren. Die Frauen, die zu Wort kommen, sind selbstbewusst, aber auch abgeklärt. Sie haben es schwerer als Männer: Sie verdienen weniger, werden ausgebeutet, nicht ernst genommen und müssen sich einen festen Platz in der Gesellschaft erkämpfen. 

Im Anschluss trat die in Köln geborene Singersongwriterin Noraa auf, die eine deutsche Mutter und einen aus Tschad stammenden Vater hat. Die Musikerin hat sich dazu entschieden, in Paris eine Karriere zu starten. Mit Erfolg: Sie hat nach dem Bachelorstudium einen Plattenvertrag bekommen und das RnB-lastige Debütalbum „Mixed Feelings“ aufgenommen. Im Silent Green singt und spielt sie Gitarre. Der Funke springt sofort über: Noraa hat eine weiche und zugleich raue Stimme. Ihre Songs ähneln der Musik von Adele, erzählen von Herzschmerz, Verliebtsein, Verlust. Die Musikerin erzählt offen aus ihrem Leben – eine nahbare Künstlerin.

Zum Abschluss diskutierten die beiden Musikerinnen Noraa und Juba über ihre Karriere. Juba verwies vor allem darauf, wie überraschend schwer ihr der Umzug von London nach Berlin gefallen ist. „Die meisten denken, wie offen und freigeistig Berlin ist, wie toll für Minderheiten. Ich kann sagen: Für schwarze Frauen ist das ein Mythos.“ Die Künstlerin musste sich mit der Grobheit Berlins auseinandersetzen – mit Pöbeleien auf der Straße, der Ruppigkeit der Menschen. „Ich will London ja nicht über den Klee loben. Aber irgendwie sind die Londoner weiter. Noch nie habe ich das N*-Wort so oft gehört wie in Berlin.“

Die Moderatorin, Kuratorin und Gründerin der Kulturplattform Afro X PopPamela Owusu-Brenyah, warf ein, dass man sich in Berlin mit fehlenden Deutschkenntnissen besonders ausgeschlossen fühle. Noraa wiederum, die in Köln aufgewachsen ist und jetzt in Paris lebt, bestätigte ebenfalls den Rassismus in Deutschland. „Frankreich ist nicht ideal. Für mich aber war der Karrierestart dort einfacher. Frauen mit einer ‚Mixed race‘ werden gefördert. Wäre ich ganz schwarz, wäre das aber etwas anderes“, sagte die Musikerin.

Sie verwies auf positiven Rassismus, den sie oft erlebe. Für sie sei es leicht gewesen, einen Plattenvertrag zu bekommen, weil sie das Klischee der jungen, schwarzen Frau erfülle. In anderen Kontexten sei ihre Identität kein Vorteil mehr. „Black Music können schwarze Frauen natürlich machen. Das finden alle toll. Aber einen Mietvertrag kriegen sie trotzdem nicht.“

Am Sonnabend findet die letzte Veranstaltung von „Female to Empower“ statt (ab 18 Uhr). Mit: CATT (live), Elke Brauweiler (live), 20 Feet From Stardom (Screening). Silent Green in Berlin-Wedding, Gerichtstraße 35, 13347 Berlin.