Das Hotel Svart in Svartisen, Norwegen
Quelle: Aedes/Snohetta/Plompmozes

BerlinEin Blitz-Besuch ist angesagt. Nur noch bis zum 20. August zeigt die Architekturgalerie Aedes zu ihrem 40. Geburtstag Werke des norwegischen Architekturbüros Snøhetta. Dass wir diese Ausstellung nicht früher gesehen, nicht früher annonciert haben – der Sommer, die Ferien … es sei um Entschuldigung gebeten. Dies ist nämlich eine tolle Ausstellung, von den riesigen Projektionen mit Projekten aus aller Welt bis zur Auswahl der auf gigantisch von der Decke hängenden Plänen in kleinsten Details vorgestellten Arbeiten.

Snøhetta ist zwar eines der Büros, die dank ihrer Erfolge – Neue Bibliothek in Alexandria, Opernhaus Oslo mit der grandiosen öffentlichen Dachrampe in den Fjord – inzwischen mit dem unsinnigen Titel „Star“ belästigt werden. Das Star steht dabei für eine sofort wieder erkennbare Stilsprache. Die Ausstellung aber zeigt genau das Gegenteil, ein Büro, das zwar eine Haltung hat, aber doch auch mit dem sehr skandinavischen Ansatz agiert, nur nicht zu sehr aufzutrumpfen. Man könnte das als eine poetische Moderne bezeichnen, als Suche nach dem Geist eines Orts – aus der Landschaft heraus. Und Landschaft, das heißt vor allem Berge.

Poetische Holzhütten

Es geht um die Folgen des Klimawandels, schrumpfende Gletscher, darum, ein Hotel selbst hoch im Norden, dort, wo die Sonne wochenlang ganz unter der Horizontlinie bleibt, als Kraftwerk zu gestalten. Svart heißt dieses Hotel, liegt am Fuß des Svartisen-Gletschers, ein riesiger Ring, der auf schlanken Stützen im Wasser steht, geradezu zu schweben scheint. Oder dies: In Spitzbergen ist die aktuelle Umwelt bedroht, ein Informationszentrum für die mit Kreuzfahrtschiffen ankommenden Touristen steht wie ein großer, herabgelassener Bienenkorb in der verschneiten Landschaft, abgeschlossen, sicher, aber auch als eindeutiger Fremdkörper. Im tirolischen Bozen ist auf einer Hügelkuppe in Weinbergterrassen ein neues Museum geplant, mit langen Rampen und Terrassen und einem sanft ansteigenden treppenartigen Dach, das nicht nur an Oslos Oper, sondern auch an Snøhettas von einer kurzsichtigen Jury schon im zweiten Rundgang aussortierten Wettbewerbsbeitrag für das Berliner Museum der Moderne erinnert.

All diese Projekte lassen durchaus die Frage aufkommen, ob sie wirklich nötig sind, ob nicht der Gletscher auch alleine existieren kann und die Eisbären auf Spitzbergen lieber unbelästigt von Menschen und ihren Kreuzfahrtschiffen blieben. Doch wenn man schon eingreift in die Umwelt, dann so poetisch wie mit jenen Holzhütten einer Bergstation, die zeigen, dass die norwegische Bauerntradition der neben dem Haupthaus stehenden Gästehäuser ohne Weiteres und ohne jeden Anflug von Kitsch auch in die Moderne transportiert werden kann.

Aedes Architekturforum, Christinenstr. 18-19, 10119 Berlin, Katalog 10 Euro, Di–Fr 11–18.30 Uhr, So–Mo 13–17 Uhr.