Eine Seniorin begutachtet Gurken auf dem Wochenmarkt.
Foto: Image Broker/Jan Tepass

BerlinJemand hat in unser Treppenhaus Augustäpfel gelegt. Riecht betörend. Auch ist es wesentlich kühler hier. Spiele bereits mit dem Gedanken, im Treppenhaus Urlaub zu machen. Warum nicht?

Augustäpfel könnte man auch an anderen Orten drapieren, wo es gerne mal müffelt. Dann müsste man sein Klo nicht mehr putzen. Zumindest im August. In anderen Monaten sollte man die Augustäpfel natürlich durch anderes Obst ersetzen. Märzäpfel? Wir brauchen unbedingt einen Obstbeauftragten in unserem Haus, der regelmäßig dafür sorgt, verdorbene Duftspender durch frische zu ersetzen. Übernehme ich gern, den Job. Wenn ich nichts anderes tun muss? Man könnte die Etagen individuell bestücken. Erdbeer-Stock. Papaya-Stock. Gurke?

Neulich gab es Streit zwischen mir und meiner Ex, weil ich meinte, Gurke würde nach nichts riechen und sie aber sagte, Gurke würde sehr wohl nach was riechen und zwar nach Gurke. Der Streit drohte zu eskalieren. Ich hielt schon ein Gurkenglas in meiner Hand, als unsere Tochter rief: „Das ist doch egal!“ Jüngere setzen eben andere Prioritäten. Für die ist es „egal“, ob eine Gurke nach nichts riecht oder nach Gurke, Hauptsache man muss sie nicht essen. Ich dagegen frage, worüber bitte soll man sonst streiten?

Eine Brotetage könnte man einrichten, eine Pflaumenkuchenetage. Müssten dann zwei Liegestühle da stehen, auf jedem Treppenabsatz, und man legt schön eine Pause ein in der Pflaumenkuchenetage, isst ein Stück Pflaumenkuchen, trinkt eine Tasse Kaffee in der Kaffee-Etage eine drüber. Problem könnte sein, dass sich die Gerüche vermischen. Erwärmte Luft steigt ja nach oben und bereichert die dortigen Duftnoten. Kaffee- und Pflaumenkuchengeruch passt aber, denke ich. Man dürfte eben keine Bratkartoffeletage dabei haben. Oder nur ganz oben.

Eine Etage für Zimtgebäck wäre fein, eine für Waffeln, eine für Fichtennadeln. Ja, nicht nur kulinarische Genüsse erfreuen. Es gibt auch andere Aromen, nach denen wir uns verzehren. Sägespäne, Bügelwäsche, Teer. Wahrscheinlich müssen wir unser Mietshaus aufstocken, werde ich Obst- vielmehr Geruchsbeauftragter. Odeur-Direktor klingt noch besser. Odeur-Designer? Muss sofort Visitenkarten drucken lassen, dann werde ich zu Sekt-Empfängen geladen. Champagner bis zum Abwinken, obwohl ich gar keinen Champagner mag. Egal, der Durst treibt‘s rein.

Anderes Thema. Ich habe ein neues Highlight für meine Reihe „Sätze seltsamer Schönheit“ gefunden. Auf tagesschau.de stand: „Im Mutterkloster des Franziskaner-Ordens in Assisi hat sich ein Infektionsherd gebildet.“ Zum Dahinschmelzen, oder? Auch fies die Schlagzeile: „Corona-Stichproben an Kita-Kindern“. Sieht man sofort den bösen Bill Gates mit einer Pferdespritze um die Ecke schleichen. Rennt, Kinder, rennt! Zu spät. Jetzt sind sie gestochen und sicher bald tot.

Gurken werden übrigens rar. Gurken sind das neue Klopapier. Weil sie so intensiv riechen? Nein! Wegen fehlender Saison-Arbeiter ist die Gurkenernte dramatisch eingebrochen, meldet die Presse. Lediglich drei Gurken wurden 2020 geerntet, im gesamten Spreewald. Und eine davon war schlecht. Gut möglich also, dass sich bald geprügelt wird um die wenigen Restexemplare. Was könnte eine Alternative sein?