Bill Withers auf einem Event in New York City im Jahr 2014.
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„Saturday night in Harlem/ Everything’s Rumtreiber alright/ you can really swing and shake your pretty thing/ the parties are out of sight“ - 1971 setzte Bill Withers die großartige Hommage ans mythisch-kulturelle Herz der afroamerikanischen Community als erstes Stück seines Debütalbums „Just As I Am“. Die Streicher schwellen dramatisch an, der Beat marschiert forsch nach vorn, während Withers vom Einerlei aus zu heißen Sommern und zu kalten Wintern erzählt, die Wohnung schäbig, der Vermieter gierig; er beschwört die Lebenslust am Wochenende, die der Gläubigen und der Gauner. Es ist ein Stück, das tief in den Resonanzraum von Urbanität und Ländlichkeit eindringt, der die afroamerikanische Geschichte geprägt hat.

Withers, geboren im Juli 1938, kam aus dem Südstaat West Virginia, wo er als eines von sechs Kindern aufwuchs. Der Vater schlug Kohle und starb früh, und Withers erinnert sich in einem Interview an den tödlichen Rassismus, unter dem er ebenso litt wie unter den Hänseleien wegen seines Stotterns. Nach der High School ging er zur Armee, wo er Flugzeugmechaniker lernt, was ihn so lange über Wasser hielt, eher es ihn nach L.A. zog, um Musiker zu werden.

In Harlem gelebt hat er nie, „Just As I Am“ wurde in Los Angeles aufgenommen, in ein paar dreistündigen Sessions. Mit der psychedelischen und sozialkritischen Sophistication der Marvin Gaye- oder Curtis Mayfield-Alben dieser Zeit hat er nicht viel zu tun. Produziert von Booker T. Jones, der den Southern Soul des Staxlabels von Memphis her gestaltet hatte, hört man den erdnahen und kraftvollen Ton der Bürgerrechts-Ära ebenso wie eine gewisse popurbane Verfeinerung. Withers' Songs wirken vor allem durch Schlichtheit und Melodie, eine gosplige Soultiefe, gepaart mit Folkmotiven von Withers akustischer Gitarre (und mit L.A.-Größen wie Stephen Stills). Mit „Ain’t No Sunshine“ findet sich auch der erste und größte Hit auf dem Album, der mit einem Grammy belohnt wurde. Mit „Grandma’s Hands“ gibt es einen weiteren Song, der einfach und gradlinig afroamerikanische Geschichte anklingen lässt und in Gil Scott Herons Politgroove ebenso Platz findet wie als Sample im Blackstreet-Hit „No Diggity“.

Eine Art schwarzer Springsteen

Der Nachfolger „Still Bill“ brachte mit „Lean On Me“, einer Ode an die Freundschaft, und „Use Me“, „einem der klügsten Songs über Sex unserer angeblich so sexy Musik“, wie der US-Großkritiker Robert Christgau befand, zwei weitere Klassiker: „Er war“, beschrieb Questlove Thompson von den Roots seinen alltagspolitischen Appeal, „der letzte afroamerikanische Durchschnittsbürger, eine Art schwarzer Bruce Springsteen.“

Withers veröffentlichte regelmäßig Alben, schloss aber nur mit „Just the Two Of Us“ noch einmal an die ersten Erfolge an. Nach jahrelangen Streitereien mit seiner Plattenfirma Columbia warf er 1985 entnervt das Handtuch - und hat den Rückzug offenbar nie bereut. „Ich habe ein paar Stücke geschrieben, mit denen sich die Leute identifizieren konnten. Ich habe eine wunderbare Frau und alles was wir zum Leben brauchen“, sagt er zu seinem 80. Geburtstag. „Ich war schon über dreißig, als ich in das Geschäft kam. Ich bin als ganz normaler Mensch erwachsen geworden. Und sehr glücklich mit meinem Leben.“

Erst heute wurde bekannt, dass Bill Withers bereits am 30.3. an einer Herzerkrankung gestorben ist.