Berlin - Schauspielerin Alexandra Maria Lara (43) und Regisseur Florian Gallenberger (50) finden, dass an deutschen Schulen mehr über Filme gesprochen werden sollte.

„Ich glaube, man muss in der Schule anders mit Filmen umgehen“, sagte Gallenberger der Deutschen Presse-Agentur. „Es wird in der Schule ja zu Recht sehr viel unterrichtet. Aber Kino wird nicht unterrichtet.“ Gallenberger und Lara leiten die Deutsche Filmakademie in Berlin.

Seine Schulzeit sei natürlich schon zu lange her, um es als direktes Pendant zu nehmen, sagte Gallenberger („Colonia Dignidad“, „Es ist nur eine Phase, Hase“). Aber er glaube, er sei in 13 Jahren Schule zweimal im Kino gewesen und habe einen Film nochmal so geguckt. „Das mag heute besser sein. Und es gibt ja auch Programme wie "Vision Kino", die für Schulen Filme aufbereiten und sehr gute Arbeit machen. Ich glaube nur, dass es nicht reicht.“

„Ich glaube, dass man versuchen muss, auf der Ebene von Lehrplänen klar zu machen, dass Kino ein unterrichtenswürdiges Sujet ist, und Kino unsere Wahrnehmung von der Welt mitprägt“, sagte Gallenberger. „Es fragt ja keiner: Wie soll man denn Literatur unterrichten? Es ist jedem klar, wie Literatur unterrichtet wird. Aber Kino muss man auch so unterrichten. Es ist ja eine Kunstform.“

Verleihung des Deutschen Filmpreises

Die Filmbranche kommt an diesem Freitag (24. Juni) in Berlin zusammen, dort wird der Deutsche Filmpreis verliehen. „Das Großartige an Filmen ist ja die Vielfalt. Wir arbeiten Geschehenes auf. Wir zeigen Missstände auf. In anderen Fällen unterhalten wir einfach nur“, sagte Lara („Der Fall Collini“, „8 Zeugen“) im Interview. „Wir haben so viele tolle Filme, die aus Deutschland kommen, die man wunderbar in den Unterricht einbauen könnte.“

Als sie zur Schule gegangen sei, am Französischen Gymnasium in Berlin, habe es immerhin schon eine Theater AG gegeben. „Da wäre Film genauso wichtig“, sagte Lara. Gallenberger betonte, wie stark Filme die Wahrnehmung der Welt prägten. „Es gibt so viele Dinge im Leben, die wir nie erlebt haben, von denen wir aber eine ganz klare Vorstellung haben, weil wir es in Filmen wieder und wieder gesehen haben.“ Film präge auch das Bild von Werten, Verhaltensweisen, von Leitbildern, Rollenbildern, Heldenbildern.

„Dass das Verhältnis zum Film, der Umgang mit Film, der Wert des Films in der Schule nicht unterrichtet wird, ist, glaube ich, ein großer Fehler“, sagte Gallenberger. „Ein Fehler im Sinne von: Wie bereitet man die Menschen auf das Leben vor? Und wie gibt man den Menschen an die Hand, was sie brauchen, um mit ihrer Realität umzugehen? Aber eben auch ein großer Fehler im Sinne von: Was passiert mit unserem Publikum?“

Sehgewohnheiten der Zukunft

In der Filmbranche wird seit Langem diskutiert, wie sich die Sehgewohnheiten in Zukunft entwickeln werden. Der Kinderfilm sei noch stark besucht, sagte Gallenberger. Aber wenn das Publikum diesem Alter entwachse, gehe es verloren, gegen Ende der Teeniejahre, im frühen Erwachsenenalter. „Und das ist natürlich ein Problem.“

Auch der frühere Akademiechef Ulrich Matthes hatte sich für mehr Film im Schulunterricht ausgesprochen. Bei der Umsetzung komme einem natürlich der Föderalismus ein bisschen in die Quere, sagte Gallenberger. „Und manche sagen: "Na, da kannst du jetzt jedes Kultusministerium in Deutschland abklappern."“ Wie so etwas funktionieren könne? Dafür seien sie noch zu neu im Amt. „Aber es ist eine Richtung, in die man denken darf und muss. Wir sind auf jeden Fall bereit, für den Film zu kämpfen.“