Eine Frau, die nicht mehr spricht (Symbolbild).
Foto: imago images/Shotshop

Berlin - Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des  Antisemitismusvorwurfs. Dieser Vorwurf wird verkörpert durch den neuen Antisemitismus-Beauftragten Felix Klein „für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus“. Er tritt in der Rolle Hamlets auf und befindet: Etwas ist faul in diesem Staat. Was alles faul ist, wird mithilfe des Antisemitismusvorwurfs täglich an die Oberfläche befördert. Es fällt nicht leicht, der allgemeinen Öffentlichkeit zu vermitteln, worum es dabei genau geht. Ein afrikanischer Gelehrter wurde als geplanter Teilnehmer eines prominenten Kulturereignisses ausgeladen und seither tobt eine öffentliche Debatte, die sich mitten in der Corona-Krise viral ausbreitete, immer weitere Kreise zog und inzwischen Hunderte von Seiten füllt, die von Studierenden in Universitätsseminaren bereits bearbeitet werden. Was ist da eigentlich genau geschehen?

In der Wissenschaft ist Einmütigkeit nicht gefragt, denn dort ist der Dissens ein Produktionsmittel. Unterschiedliche Forschungsrichtungen und Meinungen sind an der Tagesordnung. Ein Beispiel sind die Schriften von Jan Assmann und mir, die auf einmal zum Gegenstand öffentlicher Diffamierung geworden sind. Wie sind die plötzlichen Attacken zu erklären, denen wir von unterschiedlichen Seiten ausgesetzt sind? Die Antwort ist das Gespenst des Antisemitismusvorwurfs, das durch das Land geistert und immer neue Evidenz und Entlarvung verlangt. Es hat zu einer Enthemmung in den sozialen Medien und parallel dazu in den Feuilletons geführt. Es wird heftig gelesen, allerdings nur noch mit dem einen Ziel, die Gegner zu entlarven und symbolisch zu vernichten.

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