Aleppo-Mahnmal mit Bussen: „Monument“ kommt von Dresden nach Berlin

Wuchtige Monumente müssen nicht unverrückbar sein. Erst recht nicht, wenn sie Gegenstand heftiger ästhetischer und politischer Kontroversen waren oder sind. Und so soll ganz im Zeichen einer forcierten Diskursleidenschaft das vor einigen Wochen in Dresden heftig umstrittene Bus-Monument nach Berlin umziehen.

Am kommenden Dienstag werde das temporäre Kunstwerk des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni auf dem Dresdner Neumarkt abgebaut und nach Berlin gebracht, sagte die Künstlerische Leiterin des Kunsthauses Dresden, Christiane Mennicke-Schwarz, am Freitag dem Evangelischen Pressedienst.

Dort will das Maxim-Gorki-Theater die drei hochkant stehenden ausrangierten Linienbusse dann als Leihgabe zum 3. Herbstsalon im November aufstellen. Der genaue Standort des Kunstwerks sei noch offen, sagte die Sprecherin des Theaters, Xenia Sircar. Bis dahin sollen die Busse in Berlin zwischengelagert werden.

Am neuen Standort sollen die Buswracks dann aber wohl auch für neuen Gesprächsstoff sorgen. In Dresden jedenfalls war ihnen das in aufgeheizter Atmosphäre gelungen. Dabei hatte der in Dresden lebende Künstler Manaf Halbouni nicht zuletzt auch einen symbolischen Brückenschlag im Sinn, der die Zerstörung der syrischen Stadt Aleppo in einen gedanklichen Zusammenhang bringt mit Bombardierung der Stadt Dresden durch alliierte Luftangriffe im Februar 1945.

Spektakel-Charakter kaum zu übersehen

Genau das aber ging vielen zu weit. Es gab massive Proteste gegen das Bus-Monument vor der Dresdener Frauenkirche, insbesondere im Umfeld der Pegida-Demonstrierer sahen viele das Gedenken gestört, mit dem am 13. Februar an die Zerstörung der sächsischen Metropole erinnert werden sollte.

Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgten wenig später authentisch erscheinende Fotografien, die die begründete Vermutung zuließen, dass die Busse, nach denen Manaf Halbouni sein Modell entworfen hatte, den Terrortrupps einer dem Islamischen Staat (IS) nahestehenden Organisation Schutz im Häuserkampf um Aleppo geboten hatte.

Material genug also, um die mehrfach-codierten Busse in einer neuen Umgebung für weitere Deutungen zu erschließen. Ein gewisser Spektakel-Charakter ist dabei kaum zu übersehen. Waren Halbounis Busse in Dresden – nicht zuletzt durch die Verbindung des Künstlers zur Stadt an Elbe – ein starkes Zeichen in einer einst vom Krieg zerstörten Stadt, das auf die Wunden eines gegenwärtigen Krieges aufmerksam machen wollte, so wird sich das Umzugsvorhaben auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, den symbolischen Furor, den das Werk in Dresden ausgelöst hat, kurzerhand in den Berliner Kunstmarkt zu verlängern.

Man darf allerdings sicher sein, dass das Gorki-Theater das Bus-Monument nicht ohne eine flankierenden Diskursrahmen auf die Beine stellt. In dieser Hinsicht jedenfalls ist man am Berliner Gorki geübt. Bereits 2016 hatte das Theater einer Aktion des Zentrums für Politische Schönheit den Vorplatz des Hauses für das drastisch daherkommende Projekt „Flüchtlinge fressen – Not und Spiele“ überlassen, in dem sogar ein leibhaftiger Tiger vorkam. Die Busse werden also reisen, und in Berlin sollen sie ganz gewiss kein Zeichen des Stillstands darstellen.