Ex-Salafist berichtet von Versuchungen

Dominic Musa Schmitz, Ex-Salafist und unter Kennern schon als „Talkshow-Hopper“ bezeichnet, möchte auch bei Maischberger seine Geschichte erzählen. Er konvertierte mit 17 zum Islam und befolgte sechs Jahre lang unter der strengen Lehre von Prediger Pierre Vogel die strikten Umgangsregeln gegenüber Frauen. Maischberger testet ihn mit Fragen wie „Hätten Sie mir damals so in die Augen geschaut?“ oder „Was wäre, wenn ich mich im Bus neben Sie gesetzt hätte?“. Natürlich wäre er aufgestanden und gegangen, aber das mit dem Augenkontakt sei schwierig gewesen, die Versuchung bei schönen Frauen sei immer groß. Das mit dem Überdruck könne er übrigens bestätigen, deshalb wollte er dann doch irgendwann heiraten. Der Aussteiger wirkt therapiert. Gläubiger Muslim sei er aber dennoch geblieben.

Bei allem Verständnis für den bekehrten Salafisten artet die Debatte in tiefgründigere Fehden aus: Feministin Schwarzer verstrickt sich in Unverständnis gegenüber Vereinigungen wie dem Islam-Dachverband Ditib. 2004 habe sie noch „Arm in Arm mit Ditib-Mitgliedern demonstriert“, heute seien sie nur noch fremdgesteuert von türkischen Behörden. Davor warnte bereits auch Grünen-Politiker Cem Özdemir. Wirklich neutrale Vermittler scheint es nicht zu geben. Auch die Gäste scheinen alle ihre eigenen Brandherde beim Thema Gleichberechtigung zu haben.

Die Kernaussagen

Schwarzer sieht es so: „Der Islamismus ist der Faschismus unserer Zeit!“. Um zu verdeutlichen, wie diskriminierend und frauenmissachtend auch das Christentum sein kann, werden Zitate aus Koran und Bibel gegenübergestellt, bei deren Zuordnung teilweise Sprachlosigkeit in der Runde herrscht. Nicht so bei Journalist Schirmbeck: „Der Koran ist so verhaltensbestimmend, das sei mit dem Christentum in Deutschland überhaupt nicht zu vergleichen.“ Islam sei immer politisch, sobald er die Moschee verlässt. Islamkritiker werden allerdings zu schnell in die rechte Ecke gedrängt.

Die Bestätigung folgt prompt, als er bei seiner Zukunftsprognose von Peter mit AfD-Anhängern gleichgesetzt wird. Ihrer Meinung nach habe Integration mit dem Zeigefinger noch nie funktioniert. Sanktionen wie ein Integrationsgesetz bringe ganze Ethnien in Verruf. Der Tenor der Runde: Was fehlt, ist die Verständigung untereinander, ein Kanal zwischen den Glaubensrichtungen und Gesellschaftsvorstellungen.

Das Fazit

Viele Wortfetzen, viele Ansichten, keine Lösungen. Kayman trifft die Lage auf den Punkt: „Wir haben mittlerweile mehr Muslim-Experten als Muslime.“ Es wird viel diskutiert, jedoch oft an den falschen Stellen differenziert. Diskriminierung und Verallgemeinerung gegenüber Muslimen ist falsch, dennoch sollte dem deutschen Volk in einem Rechtsstaat Schutz gewährt werden, ohne Muslime komplett in Schutz zu nehmen, wie Grünen-Bundesvorsitzende Peter es formuliert. Auch Islam-Verbände scheinen ihre Aufgabe, die Integration von Islam-Anhängern in Deutschland, nicht erfüllt zu haben.

Islamvertreter sind sich einig, dass das Verhältnis von Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland nicht vorangekommen ist, weil das Verständnis füreinander fehlt. Ob bloße Werbung für seinen YouTube-Channel oder unbeabsichtigte Weisheit: Der Stillste der Runde liefert einen simplen, aber effektiven Ausblick: „In Deutschland findet man keinen gesunden Islam.“, sagt Dominic Musa Schmitz. Da alles zu radikal sei, möchte er mir seinen Videos gemäßigt über den Islam aufklären. Das wäre schon mal ein Anfang.