Köln - Sie wollte weder Verlegerin noch Chefredakteurin werden. Und ist es nun doch seit 40 Jahren. Am 26. Januar 1977 erschien die erste Ausgabe der Frauenzeitschrift „Emma“. Für Alice Schwarzer eine notwendige Reaktion auf bestehende Verhältnisse. „Die existierende Presse ist eine Männerpresse“, schreibt sie in ihrem ersten Editorial. „Weder über das, was Frauen wirklich angeht und bewegt wird geschrieben (meist aus Ignoranz nicht, oft aber auch aus Verachtung oder Angst, noch bekommen die Journalistinnen ein Bein auf den Boden.“ In „Emma“ werde kein Man schreiben, verspricht sie ihren Leserinnen. Im ersten Heft geht es um die Justiz, die über Frauen anders richtet als über Männer, Romy Schneider sagt im Gespräch mit Schwarzer „Ich bin es leid, zu lügen“. Und eine Hausfrau berichtet darüber, welche Folgen es für sie hat, dass ihr Mann arbeitslos wurde.

Die damals 34 Jahre alte Schwarzer hatte den Zeitpunkt für das Erscheinen gut gewählt. Die Journalistin hatte 1975 mit dem Buch „Der kleine Unterschied und seine Folgen“ für Aufsehen gesorgt, die 250 000 Mark, die sie durch die Buchverkäufe verdient hatte, investierte sie nun in ihre Zeitschrift. Die Feministin war schon damals klug, meinungsstark und streitlustig und für viele das Gesicht der deutschen Frauenbewegung. Aufmerksamkeit war ihrer Zeitschrift also sicher. Mit einer Auflage von 200 000 Exemplaren kam „Emma“ auf den Markt. Heute ein nicht mehr zu erreichender Wert.

Druckauflage von rund 50.000 Exemplaren

Aktuell liegt die Druckauflage bei 50.000 Exemplaren, davon werden rund 24000 Hefte im Abo geliefert, hinzukomme laut Schwarzer 8000 bis 10000 verkaufte Exemplare am Kiosk. 90 Prozent der Finanzierung macht der Verkauf der Hefte aus. Das sichere Unabhängigkeit, betont die Redaktion. Positiv in die Zukunft blicken lässt die Macherinnen, dass eine Leserinnenanalyse ergeben habe, dass „Emma“ die jüngsten Leserinnen aller deutschen Frauenzeitschriften habe: Knapp jede Vierte ist unter 30, jede Zweite zwischen 30 und 50.

Eines hat sich über all die Jahre nicht geändert. „Emma“ ist Alice Schwarzer. Fällt der Name der Zeitschrift, fällt der Name der Chefin. „Ich bin ja Emma, und zwar in einem Ausmaß, dass die Menschen manchmal »Hallo, Emma Schwarzer!« hinter mir herrufen. Damit bin ich eigentlich auch nicht so ganz zufrieden“, erzählt sie im Jubiläumsheft. Doch loslassen kann sie anscheinend auch nicht. 2008 wollte sie ihren Posten eigentlich an die WDR-Moderation Lisa Ortgies abgeben, dieses Experiment scheiterte aber bereits nach wenigen Wochen. Man trennte sich nicht im Guten.

„Emma“ und die emanzipierte Frauke Petry

Mit der „Emma“ verhält es sich so wie mit ihrer Chefin. Man liebt sie oder man hasst sie. Es gibt nicht viel dazwischen. Die einen sagen, die Zeitschrift stoße seit nunmehr 40 Jahren relevante Themen an, kämpfe konsequent für die Rechte von Frauen, sei mutig und unbequem. Andere werfen ihr vor, einen Feminismus zu propagieren, der nicht mehr zeitgemäß sei und in alten Männer- und Frauenbildern verharre. Schwarzer selbst hat bei der Gründung ihrer Zeitschrift nicht geglaubt, sie eine so lange Zeit zu machen.

„Hätte mir vor 40 Jahren jemand gesagt,dass ich »Emma« noch im Jahre 2017 machen würde – ich hätte wohl ungläubig den Kopf geschüttelt.“ Doch die Themen gehen ihr und ihrem Team nicht aus. Im Gegenteil. Die lockeren Zeiten des Post-Feminismus seien vorbei. „Spätestens seit der Trump-Wahl ist wieder Feminismus pur angesagt“, so Schwarzer. In der aktuellen Ausgabe schreibt sie erneut über die Silvesternacht 2015, ein Dauerthema der Zeitschrift. Es gibt einen Artikel darüber, dass die emanzipierte Frauke Petry nicht in die männerbündische AfD passe.

Auch die Kanzlerin gratuliert im Geburtstagsheft. Sie finde gut, dass „Emma“ sich weiterhin hartnäckig für die Belange von Frauen einsetze und sich auch durch Gegenwind nicht vom Kurs abbringen lasse. Was sie stört? „Dass sie manchmal auch da streitbar und unversöhnlich ist, wo Konsensbereitschaft und Lösungsangebote ihren Zielen förderlicher wären.“ 330 Ausgaben der „Emma“ sind bis heute erschienen. Und es sollen noch viele dazu kommen, wenn es nach Schwarzer geht: „Feministischer Widerstand ist (über) lebenswichtig“. Der Kampf geht weiter.