Berlin - Schon der Albumtitel ist kontrovers. Verwendet die Musikerin aus Nordfriesland mit „Madonna Whore Komplex“ wirklich den von Sigmund Freud geprägten Begriff aus der Psychoanalyse? Die Definition, die besagt, dass Männer Frauen entweder als Heilige betrachten oder als entwürdigte Prostituierte? Oder spielt die Mittzwanzigjährige hier auf die wandlungsfähige Pop-Ikone Madonna an, die wie keine andere mit den Facetten von Lust und Gehorsam spielt – und Neumann mit ihren hellblonden Haaren und der zierlichen Statur in einigen ihrer Phasen optisch ähnelt?

Womöglich ist es bei der jungen Sängerin, die eigentlich Alina-Bianca mit Vornamen heißt, beides. Als Neumann 2018 ihre erste EP „Hohes Fieber“ veröffentlichte, war sie eine röhrige Kneipen-Chansonette. Lieder wie „Merlot, Macht & Muse“ rochen nach Rauch, die Patina einer durchzechten Nacht ließ sich förmlich fühlen. Neumann schien zu einer früheren Herbert-Grönemeyer-Version zu passen, Vergleiche mit Nina Hagen fielen ebenfalls. Doch dann kam die EP „Monster“ und die Musikerin verfolgte eine Idee, die sich bereits auf einem ihrer früheren Tracks andeutete: Austro-Pop. Neumann gurgelte, gluckste und grölte wie einst Falco zu einem rockigen Sound. In dem Musikvideo zu dem Stück „Monster“ sah man sie dabei in verschiedene Rollen schlüpfen – etwa mit Chewbacca gegen das Böse kämpfen oder als Femme Fatale am Mikrofonständer säuseln. 

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