Der Schauspieler Adrian Topol.
Foto: Christian Schulz

BerlinDie blutigen Engelsflügel, die der Schauspieler Adrian Topol während des Posierens für die Fotos irgendwann auf Wunsch des Fotografen anlegen wird, hängen in seiner Produktionsfirma Lopta Film und erinnern an deren bisher größten Erfolg. „Schneeflöckchen“ war ein Kracher, wurde vom Festival-Publikum rund um die Welt geliebt, gehört im DVD-Regal (Ältere werden sich noch an dieses in Zeiten von Streaming aus der Mode geratene Möbelstück erinnern) neben Filme wie „Dogma“ von und mit Matt Damon und Ben Affleck.

Diese Woche startet in bundesweit 230 Kinos „Bullshit faken“ mit Topol in der Rolle des Provinzpolizisten Rocky, der mit seinen Kollegen Straftaten vortäuscht, um die Schließung ihrer Wache zu verhindern. Das Drehbuch schrieb Alexander Schubert, der auch die Regie übernahm und bei „Schneeflöckchen“ die Hauptrolle des völlig durchgedrehten Zahnarztes gespielt hatte.

Mit dem Drehort Ahlen verbindet Topol viele Erinnerungen: „Mein Regiedebüt ‚Augenblick‘ habe ich dort gedreht und den beteiligten Jugendlichen dafür zwei Jahre Schauspielunterricht gegeben. Da hat Erkan Acar die Bösewicht-Hauptrolle gespielt. Das war so eine schöne Zeit.“ Beim Schwelgen in Erinnerungen kam man darauf, ein Remake der schwedischen Komödie „Kops“ zu drehen. „Wir hatten spontan Lust darauf, das in Ahlen zu machen.“ Topol hat dort viel Zeit verbracht, ging dort schon zur Schule und kehrte immer wieder zurück, nachdem er sich in Berlin schon als Filmemacher etabliert hatte. Er grinst: „In Ahlen bin ich weltberühmt.“ Seine frühere Heimatstadt in Nordrhein-Westfalen kennt er als Stadt der kurzen Wege, der Bürgermeister und seine Verwaltung helfen den Leuten vom Film gern. Sogar eine Genehmigung für eine echte Explosion direkt vor dem Rathaus hat es ganz unkompliziert gegeben. Was daran liegen könnte, dass es sich dabei um eine Bausünde im Stil des Brutalismus handelt, bei der es reinregnet und die kaum Freunde in der Stadt hat. Vielleicht haben die ja gehofft, dass die Explosion der Leute vom Film das Problem aus der Welt schafft? Topol lacht: „Einige von denen haben wohl tatsächlich gehofft, dass das Ding direkt umfällt. Das war aber auch eine richtig schöne Explosion. Leute, die zehn Kilometer entfernt wohnen, meldeten bei der Polizei einen Meteoriteneinschlag.“ Das Rathaus stand danach allerdings immer noch: „Die denken bestimmt, dass wir als Filmteam ja ganz nett waren, aber als Abrisshelfer ein Totalausfall!“

Für Adrian Topol schließt sich mit „Bullshit faken“ ein Kreis: „Als ich in ‚Königskinder‘ meine erste Hauptrolle spielte, hatte Bjarne Mädel eine ganz kleine Nebenrolle. Damals war er einer der Hafenpolizisten. Wir haben uns beide jetzt bei den Dreharbeiten daran erinnert.“ Inzwischen hat Mädel ihn überholt und war in der Rolle des Obdachlosen Klaus der größte Star im Ensemble und der Grund für die Geldgeber, in diese Produktion Vertrauen zu fassen und zu investieren.

Eigentlich sollte „Bullshit faken“ schon früher herauskommen. Corona hat diesen, wie so viele Pläne, durcheinandergebracht. Topol hofft, dass der Film etwas länger in den Kinos bleibt, weil es noch nicht so viel Konkurrenz gibt: „Der hat seine Chance verdient, durch Mundpropaganda ein breiteres Publikum zu erreichen.“

Inzwischen steht Topol auch schon wieder vor der Kamera: „Im ‚Erzgebirgskrimi‘ für das ZDF. In Schneeberg, Schwarzenberg und Umgebung.“ Die Rolle mag er, weil sie sich von seinen bisherigen Arbeiten unterscheidet: „Da bin ich der Spurensicherer und mal kein Mörder.“ Er hat eine durchgehende Rolle und bandelt mit der von Lara Mandoki gespielten Kommissarin an.

Corona hatte Adrian Topol zunächst unerwartete Schwierigkeiten bereitet: „Ich war total damit überfordert, plötzlich Zeit zu haben. Aber bald habe ich es total genossen, dass ich nicht musste.“ Topol sauste vor Corona von Meeting zu Meeting. „Ich habe ja sonst immer zu tun. Immer. Plötzlich konnte ich viel mehr lesen, habe seltener als sonst die E-Mails kontrolliert und im Internet herumgekuckt.“ Die Beziehung mit seiner Frau, mit der er vor Corona zusammengezogen war, erwies sich in der Zwischenzeit als pandemiefest.