Matt Edwards, britischer Stand-up-Comedian spielt "Pan Tau" in einer Neuverfilmung.
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BerlinEine schlanke Männerfigur im Gegenlicht, elegant, mit Melone und Regenschirm. Sie setzt sich in Bewegung, dreht sich mit einem tänzerischen Hüpfer und landet freundlich lächelnd in der Großaufnahme. Der Herr im Dreiteiler und mit Nelke im Knopfloch hat das allerfreundlichste Gesicht und lächelt verschmitzt. Er nimmt die Melone ab, und die Kamera zoomt in deren seidig-weißes Inneres und hinein in das nächste Abenteuer mit dem magischen Herrn Tau. „Pan Tau“, wie er im tschechischen Original heißt - ach, die seligen 70er-Jahre des Kinderfernsehens! In Ost und West gleichermaßen ausgestrahlt übrigens.  

„Pan Tau“, das Original.

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Ab 1970 als westdeutsch-tschechische Koproduktion entstanden, lebten die Abenteuer des Herrn Tau in drei Staffeln und etlichen Filmen von der tschechischen Pantomimen- wie von der dortigen Filmkunst, Märchen aus dem Alltag heraus zu erzählen. Pan Tau (verkörpert von Otto Simánek, einem zu Drehbeginn 45-jährigen Prager Theaterschauspieler und Pantomimelehrer, der 1992 starb) war der für Erwachsene nie sichtbare Freund und Helfer der Kinder. Ganz gute Fee, erschien er bei kindlicher Not oder Langeweile, packte wortlos lächelnd mit an oder zauberte mit einem Fingerstrich am Melonenrand herbei, was immer gerade gebraucht wurde.   

Dieser schweigsame, zwischen Realität und Traumwelten vagabundierende Gentleman war ein Wiedergänger von Charlie Chaplins Tramp, kritisierte die gesellschaftlichen Verhältnisse aber nicht wie dieser, sondern half ihnen liebevoll und zauberisch auf. Genau das, was man heute an Erbauung braucht, dachte sich wohl die ARD. Der Sinn fürs Magische und Nostalgische ist in den Jahrzehnten ja nicht geringer geworden, und ob auch heutige Kinder dranbleiben, wenn es nicht mindestens um die Rettung der Welt geht, wird sich zeigen. 

Der britische Comedian und Magier Matt Edwards spielt in der Neuverfilmung die Rolle des Pan Tau und bringt außer einer gewissen Ähnlichkeit mit Simánek sicher auch eine Menge Slapstick ein. Bereits 14 Teile wurden mit britischen und deutschen Schauspielern gedreht, heißt es, darunter  von deutscher Seite Sophie von Kessel, Valerie Niehaus und Armin Rohde. Starttermin ist „diesen Herbst“ - ein dem Brexit trotzender kultureller Brückenschlag zurück in eine Zeit, als das Wünschen immer geholfen hat.