Die Komponistin und Musikerin Kathrin Pechloff ist Geschäftsführerin der IG Jazz und mit Nikolaus Neuser von der Deutschen Jazzunion und Till Brönner federführend am Jazzhaus-Projekt beteiligt. 
Foto:  Lena Semmelroggen

BerlinIm vergangenen Jahr war die Alte Münze vor allem Projektionsfläche und Kulisse. Für den Traum der freien Szene vom eigenen Ort (legitim). Für das Ausprobieren partizipativer Prozesse in der Kulturpolitik (sportlich). Für das Gegeneinanderausspielen kreativer Genres: freie Kunst gegen Kunsthandwerk und Design (unnötig). Und für das immer neue Skizzieren einer Quadratur des Kreises: dass ein Ort, an dem die Inhalte in die Breite gehen, dennoch von der Bedeutung her in die Höhe wachsen kann (wird zu beweisen sein). 

Nach einem intensiven Beteiligungsverfahren und mehreren Gesprächen dazu im Abgeordnetenhaus ist nun, durchaus etwas überraschend, zunächst nur über einen Teil des Areals entschieden worden: Herzstück des ehemaligen Gewerbeareals an der Spree soll – wie die Kulturverwaltung am Montag noch während der Kulturausschuss tagte verkündete – ein Zentrum für Jazz und improvisierte Musik werden.

Aus drei vorliegenden Konzepten für die Bespielung des zentralen Hauses Nummer 4 als Ort der Musik wählte Kultursenator Klaus Lederer eines, das auf der Idee eines „House of Jazz“ des Musikers Till Brönner aus dem Jahr 2016 aufbaut. In Kooperation mit der Deutschen Jazzunion und der IG Jazz sieht es ein intendantengeführtes Haus mit dynamischem Ensemble, kuratiertem Konzertprogramm, Residenzen, Raum für Produktion und Forschung sowie einem Vermittlungsprogramm vor.

Talk aus Berlin von Jörg Thadeusz mit mit Till Rönner im rbb am 5. September 2019

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Dem Bund hatte die Jazzhaus-Idee von Anfang an gefallen, er wird die damals angekündigten 12,5 Millionen Euro auch in das entwickelte Projekt investieren und sich wohl ebenfalls am Unterhalt beteiligen. Damit wäre Haus 4 samt geplantem Erweiterungsbau eine selbstständige Einheit – innerhalb eines Gefüges, über das ansonsten noch nicht entschieden wurde. Die weiteren Flächen, die momentan teilweise zwischengenutzt werden und ebenso Gegenstand des partizipativen Prozesses waren wie Haus 4, harren noch ihrer Bestimmung.

Dass nach dem aufwändigen Diskussionsprozess, bei dem sich die Vision eines Ortes für die gesamte freie Szene und mit kollektiver Leitungsstruktur herauskristallisiert hat, jetzt über die Autonomie eines Teils der Münze schon entschieden wurde, stößt nicht nur bei der Initiative Neue Musik auf Kritik, die sich ausgebootet und vor den Kopf gestoßen fühlt, wie sie am Dienstag in einer Aussendung und auf ihrer Website mitteilte. Auch Wibke Behrens von der AG Münze der Koalition der freien Szene, hofft, dass nun wenigstens über den Rest der Alten Münze auf der Grundlage der gemeinsam erarbeiteten und sorgfältig dokumentierten Ergebnisse entschieden wird. Einen Zeitplan gibt es hierfür noch nicht. Klar ist nur, dass die Sanierung des Geländes, für die das Land 35 Millionen Euro zur Verfügung stellt, alsbald in die Planung gehen und bis 2023 abgeschlossen sein soll.