Die Wilmersdorfer Moschee.
Foto: imago images/Sven Lambert

BerlinIn Berlin gibt es knapp 100 Moscheen, die meisten allerdings fallen als Hinterhofmoscheen wenig auf. Die schönste und älteste immer noch bestehende Moschee ganz Deutschlands war und ist die Wilmersdorfer Moschee, auch bekannt als Berliner oder Ahmadiyya-Moschee. Sie steht mit ihren beiden 32 Meter hohen Minaretten in der Brienner Straße 7-8 fast so prachtvoll wie das indische Taj Mahal.

Die erste Moschee Deutschlands stand seit 1915 auch nicht weit entfernt, knapp 50 Kilometer südlich im brandenburgischen Wünsdorf. Dieser Holzbau für muslimische Kriegsgefangene wurde 1930 abgerissen. Nicht zuletzt wegen des Neubaus der Ahmadiyya-Moschee in Berlin von 1924 bis 1928.

Dass der Kuppelbau in Wilmersdorf indisch anmutet ist kein Zufall, denn die islamische Gemeinschaft Ahmadiyya-Lahore ist im 19. Jahrhundert in Britisch-Indien entstanden. Ihre Gläubigen kamen 1920 nach Berlin. Sie beauftragten für ihr Gotteshaus den Berliner Architekten Karl Alfred Herrmann und finanzierten das Unternehmen durch Spenden.

Der Vorbeter Imam Sadr ud-Din wollte, dass die Moschee „von der Einheit Gottes und der Brüderlichkeit unter den Menschen eine beredte Sprache“ spreche und verkünde, dass es nur einen einzigen Gott gebe, der zugleich der Gott aller Völker sei.

Sehr spannend und ereignisreich ist die Geschichte des Baudenkmals unter den Nazis. Zuerst meinten die braunen Machthaber, es wäre ein „Unterschlupf und Absteigequartier für Kurfürstendamm-Juden“. Doch später änderten sie ihre Meinung und missbrauchten die Moschee für Nazi-Propaganda. Dafür war ab 1941 der Antisemit und Großmufti von Jerusalem Muhammed Amin al-Husseini als Ehrengast der SS und Hitlers in Berlin. Hitler und die Seinen hofften auf muslimische Divisionen und wollten die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina verhindern.

Viele Gläubige der Moschee waren als britische Staatsbürger allerdings nicht mehr in der Reichshauptstadt, und die Verbliebenen zeigten Courage, die Leben rettete. Sie verhalfen Juden zur Flucht, so ihrem Geschäftsführer Hugo Marcus. Andere retteten eine jüdische Familie durch Papiere, die sie dem Großmufti gestohlen hatten.

Die Zerstörung der Moschee in den letzten Kriegstagen ist der Überlieferung nach einer Stellung von deutschen MG-Schützen auf den Minaretten zu verdanken. Die Rote Armee nahm wegen ihnen das Gotteshaus unter Feuer, beide Minarette wurden zusammengeschossen, und auch die Kuppel erlitt einen großkalibrigen Treffer. Immerhin konnte in der notdürftig reparierten Moschee schon im August 1945 der erste Gottesdienst stattfinden.

In den 90er-Jahren kam das blendende Gebäude aus den Märchen von 1001 Nacht unter Denkmalschutz und wurde umfassend renoviert. 1999 und 2001 wurden sogar die Minarette wieder errichtet, fast eine Million Mark waren insgesamt dafür vom Landesdenkmalamt Berlin, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und einer Spenderin aus den USA aufgebracht worden.

Bei dieser handelte es sich um Samina Sahukhan-Malik. Der Großvater ihres Mannes hatte in den 1920er-Jahren schon zu den Spendern für den Bau der Moschee gehört.

Im Jahr 2011 verübte ein mutmaßlich verwirrter Täter einen Brandanschlag mit Sprengsätzen der Marke Eigenbau. Er richtete zum Glück nur Sachschaden an und wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.