Das engagierte Poem der Lyrikerin und Aktivistin Amanda Gorman im Original zu lesen ist die eine Sache. Der Text ist mühelos im Internet zu finden. Nun aber werden ihre Verse auch jenen zugänglich, die mit dem Englischen weniger vertraut sind. Der Verlag Hoffmann und Campe meldete am Donnerstag, sich die Rechte dafür gesichert zu haben.

Bereits am 17. März erscheint die autorisierte deutsche Fassung von „The Hill We Climb“, dem Gedicht also, das Amanda Gorman bei der Amtseinführung von Joe Biden vor dem Kapitol vortrug. Der Text beschäftigt in vielen Ländern nicht nur Literaturinteressierte, er regt Jugendliche zu Diskussionen an und lässt erwachsene Kritiker um die Qualität und über die verführerische Kraft des Pathos streiten. Gormans ausdrucksstarker Auftritt wurde nach der Feier noch millionenfach auf YouTube gesehen.

Die englische Buchausgabe soll 32 Seiten umfassen, das Erscheinen bei Viking Books for Young Readers ist für den 16. März angekündigt. Die einflussreiche Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey schreibt ein Vorwort. Schon jetzt rangiert der noch unveröffentlichte Titel auf den Onlineplattformen als Bestseller. Am 22. September bringt der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe dann den Lyrik-Band „The Hill We Climb and Other Poems“ ebenfalls einen Tag nach dem amerikanischen Original heraus.

Die Pressemitteilung aus Hamburg ist gewürzt mit einem enthusiastischen Zitat der jungen Lyrikerin. Amanda Gorman schreibt: „Ich bin begeistert, mit dem großartigen Team von Hoffmann und Campe zusammenzuarbeiten, und ich freue mich darauf, meine Worte mit einer deutschen Leserschaft sowie einem weltweiten Publikum teilen zu können.“ Hier erscheint das Gesamtwerk von Siegfried Lenz, veröffentlichen Claire Messud und Naomi Klein, neuerdings auch Monika Maron. Für den Sommer angekündigt ist übrigens ein Klassiker der afroamerikanischen Literatur, der Roman „Die Hochzeit“ von Dorothy West (1934–1998). 

Dass insbesondere der Verleger Tim Jung begeistert ist, die Autorin für sein Haus gewonnen zu haben, versteht sich von selbst. Er nennt seine neue Autorin „nicht nur die Botschafterin eines jungen und besseren Amerika, sondern auch die Stimme der Hoffnung, dass Demokratie möglich bleibt, solange wir sie als etwas begreifen, das wir immer wieder neu aus uns selbst hervorbringen und mit Leben füllen müssen“. Jung lobt sie und ihren Auftritt auch als einen Dienst im Sinne der Kunst. Amanda Gorman habe der ganzen Welt vor Augen geführt, „welche ungeheure Schönheit, Kraft und Wirkungsmacht einem Gedicht innewohnen kann“.

Diese Erkenntnis sollte man nicht gering schätzen: wie Literatur, wie Sprache Menschen berühren und ermuntern kann.