Das ist jetzt erst mal keine neue Geschichte: Der Farmer Royal Abbott (sexy verwittert: Josh Brolin) kämpft um sein Farmland, eine verfeindete Familie will es ihm abknöpfen. Dazu kommt Ärger in der eigenen Sippe: Die Schwiegertochter ist verschwunden, Abbotts Ehe mehr Gewohnheit als Vergnügen, die Kasse leer, der Frust groß, die Söhne missraten. Und als ob das nicht schon ausreichen würde, entdeckt Abbott in den Weiten seines Weidelandes in Wyoming plötzlich ein so gigantisches wie mysteriöses Loch, schwarz, bodenlos und wie aus dem Nichts erschienen. Aber ist es wirklich ein Loch?

„Outer Range“ wird als Neo-Western vermarktet, aber das trifft es nur bedingt. Ähnlich wie bei „Lovecraft Country“ aus dem vorletzten Jahr werden hier verschiedene Genres vermischt: H.P. Lovecraft meets Stephen King meets Cormac McCarthy – das Ergebnis ist ein frischer Hybrid aus Science-Fiction, Western und Mystery, dessen Form die Geschichte im Zentrum aber nicht begräbt, sondern stets im Fokus behält. Diese folgt dem klassischen Muster einer Erzählung aus dem Westen der Vereinigten Staaten, wie sie seit Jahrzehnten als Blaupause für Filme und Serien fungiert, von „Giganten“ bis „Dallas“.

Josh Brolin triumphiert

Dabei vermeidet „Outer Range“ jegliche Überhöhung und konzentriert sich hingebungsvoll auf seine Charaktere, allen voran Royal Abbott und die mysteriöse Fremde Autumn (Imogen Poots), die auf dem Weideland der Abbotts campiert und deren Absichten irgendwie mit dem mysteriösen Loch zu tun haben. Das Loch bleibt der zentrale Punkt der Serie, die Geschichten drumherum sind aber nicht weniger spannend. Der Kampf zwischen den Abbotts und ihren Nachbarn, den Tillersons, ihrem irren Vater (Will Patton) und seinen nicht minder schrägen Söhnen, um ein Stück Land von der geschätzten Größe Niedersachsens ist mindestens genau so hinreißend erzählt, wie die Suche Royal Abbotts nach Erklärungen für das Leben und das Loch inmitten seines Grundbesitzes.

Überhaupt ist Josh Brolin in dieser Rolle so famos, so eindringlich, dass schon er allein für den Magnetismus von „Outer Range“ sorgen könnte. Lange hat man keine Darstellung mit einer solchen Anziehungskraft mehr gesehen wie die seines in sich gekehrten, von Wut getriebenen und gleichzeitig warmherzigen Cowboys. Jede Szene mit der Hauptfigur gleicht einer Wundertüte: Was kommt als Nächstes? Ein Wutausbruch, ein Zusammenbruch, vielleicht beides? Längst hat Brolin bewiesen, dass er ein fantastischer Darsteller ist, spätestens in „No Country for Old Men“. Da verzeiht man ihm auch gerne kleine Ausrutscher wie den Kakerlaken-Schocker „Mimic“.

Wertung 4 von 5

Outer Range, Serie, 8 Folgen, Amazon Prime Video