Das Lifestyle-Magazin Scarlet ist in New York so etwas wie die deutsche Ausgabe der Magazine Glamour und Jolie. Es geht um Mode, Sex, Beauty und alles, wofür sich junge Frauen in den Zwanzigern interessieren könnten. So stellt es die amerikanische Serie „The Bold Type“ zumindest dar, die hierzulande auf Amazon Prime Video zu sehen ist. Doch wie in der hiesigen Medienlandschaft ist die Zukunft von Scarlet unsicher. Die Printausgaben sind der Geschäftsführung zu teuer, die Onlinezahlen könnten besser sein, und der Eigentümer kann nicht verstehen, warum die Models plötzlich dicker sein sollen oder Männer in Kleidern abgebildet werden müssen. Verschreckt das nicht die Werbepartner? Ist das nicht der Grund, warum die Leser abspringen?

Die erhabene Chefredakteurin Jacqueline (gespielt von Melora Hardin) lässt sich zum Glück nicht so schnell einschüchtern. Sie weiß, dass es jungen Erwachsenen um mehr geht als um ihr Aussehen und das Nachjagen wilder Trends. Drum ermutigt sie ihre Angestellten, die diverser nicht sein könnten, an ihren Themen dranzubleiben: die MeToo-Debatte weiter vorantreiben, über das schlechte Gesundheitssystem in den USA berichten und auch über die Abschiebung muslimischer Einwanderer. Letztlich ist es auch das, was ihre drei besten Mitarbeiterinnen Jane (Katie Stevens), Kat (Aisha Dee) und Sutton (Meghann Fahy) persönlich beschäftigt.

Chefredakteurin Jacqueline (Melora Hardin) will mit ihrem Magazin einen Akzent in der Medienlandschaft setzen.
Foto: NBCUniversal

Die ambitionierte Journalistin Jane hat Angst, wie ihre Mutter an Brustkrebs zu erkranken, und verlangt eine bessere Absicherung von ihrer Krankenversicherung. Social-Media-Managerin Kat muss sich als lesbische Frau in ihrer afroamerikanischen Familie noch finden sowie ihre muslimische Freundin vor Trumps Politik bewahren. Sutton schließlich will ihre ärmliche Vergangenheit überwinden, aber nicht mit ihrem reichen Freund, sondern selbstständig als Stylistin. Ob ihr das gelingt?

„The Bold Type“ zeigt sehr gut die Probleme, die Medienmacher und junge Erwachsene beschäftigen. Zwischen Artikeln, Themen, Fotos und Zahlen liegt ein ganzes Seelenleben, das sich mehr als alles andere mit Beziehungen und der eigenen Umwelt beschäftigt. Während Serien wie „The Newsroom“ und „The Morning Show“ nah an dem Job und der Gesellschaftskritik bleiben, „Emily in Paris“ und „Sex and the City“ sich mehr mit Freundschaften und Sex beschäftigen, gelingt „The Bold Type“ der Spagat zwischen beidem. Es ist unterhaltend, wenn Jane, Kat und Sutton sich im Ankleidezimmer der Modeabteilung verstecken, um zu reden, aber nie platt oder klischeehaft. Im Gegenteil: Wenn ernst zu nehmende Themen leicht verständlich thematisiert werden, kann das ansteckend und ermutigend wirken. Vor allem, wenn es Charaktere sind, die nah am Zuschauer dran sind und sich wie er ständig weiterentwickeln.

„The Bold Type“ (seit 2017), vier Staffeln, Amazon Prime Video.