John Goodman ist in Hollywood ein gefragter Schauspieler. Gerade ist er in der Komödie „Hangover 3“ in den deutschen Kinos zu sehen, vor Kurzem ist er sogar zu einem Dreh nach Berlin gereist, um neben Matt Damon und Bill Murray im neuen Film von George Clooney mitzuwirken. Ganz zu schweigen von dem Animationsfilm „Monsters University“, in dem er die Figur „Sulley“ seine Stimme leiht. In seiner langen Karriere konnte sich John Goodman aber auch als ein erfolgreicher Serienschauspieler etablieren, der sich immer wieder neu erfand und ein gutes Gespür für lohnenswerte Herausforderungen entwickelte. Für seinen Rolle als Ehemann von „Roseanne“ in der gleichnamigen ABC-Sitcom zum Beispiel hat er etliche Preise eingeheimst. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass Goodman einer von jenen Kreativschaffenden ist, die nicht lange zögerten, als es darum ging, im Bereich der Serienproduktion völlig neue Wege zu beschreiten. Wege, die abseits vom klassischen Fernsehen verlaufen.

Zum Beispiel beim Onlinehändler Amazon. Der gründete bereits 2010 eine Tochterfirma, Amazon Studios, die Unterhaltungsformate produzieren soll. Drei Jahre später gehen nun fünf in Serie – darunter ist auch die Politikcomedyserie „Alpha House“ mit John Goodman, in der er einen von vier US-Senatoren spielt, die in Washington in einer WG zusammenleben. Zuvor hatte Amazon die Zuschauer in einer langen Auswahl- und Testphase intensiv mit eingebunden. So konnte das Publikum insgesamt acht Pilotfolgen für Comedyformate und sechs für Kinderprogramme kostenlos per Streaming auf der Amazon-Webseite ansehen. Die Zuschauer sollten schließlich durch ein Bewertungssystem bestimmen, welche Serien in je 13 Episoden langen Staffeln produziert werden. Die Bandbreite reichte von John Goodmans Politikcomedy über die Medien- und Nachrichtenkritik („Onion News Empire“) mit Jeffrey Tambor bis hin zu animierten Formaten, an denen unter anderem Autoren der „Daily Show“ von Jon Stewart beteiligt waren.

Amazon ist allerdings nicht die erste Internetfirma, die sich in diesem neuen Bereich ausprobiert. Ein weiterer Mitspieler, der einen Vorstoß in den Markt der Serienproduzenten gewagt hat, ist Netflix. Das Unternehmen, das 1997 ursprünglich als Internet-Videoverleih begründet wurde, ist mit knapp 30 Millionen Abonnenten inzwischen der größte Video-on-Demand-Anbieter der USA. Seit 2011 produziert Netflix auch eigene Inhalte exklusiv für seine Kunden. Mit der Politthrillerserie „House of Cards“, in der Hollywoodstar Kevin Spacey die Hauptrolle spielte und die Regie-As David Fincher inszenierte, erreichte Netflix zuletzt internationale Aufmerksamkeit. In Deutschland lief „House of Cards“ noch im klassischen Fernsehen im Pay-TV-Kanal Sky Atlantic.

Ende April startete schon das nächste groß angelegte Serienprojekt bei Netflix. 13 Episoden der Mystery-Serie „Hemlock Grove“, an der Kultregisseur Eli Roth beteiligt ist, wurden für mehr als 50 Millionen Dollar produziert. Die Folgen laufen in den USA noch besser als „House of Cards“. Und seit einem Monat sind bei Netflix neue Episoden der Serie „Arrested Development“ zu sehen, die in den Jahren 2003 bis 2006 vom Kabelsender Fox ausgestrahlt wurde. Auch diese Neuauflage ist für Netflix natürlich mit finanziellem Kalkül verbunden. Viele Fans der Serie werden sicherlich gern acht Dollar für ein Abo zahlen.

Auch die großen TV-Sender haben in den USA schon vor Jahren das Internet als Ausstrahlungsort für sich entdeckt. Neben den Sendereigenen Online-Mediatheken wurde im Jahr 2007 die Internetplattform Hulu aus der Taufe gehoben, ein teils werbe- und teils Abo-finanziertes Onlineportal, auf dem die größten Sender gemeinsam ihr Programm im Internet anbieten. Abonnenten bekommen für acht Dollar komplette Serienstaffeln und auch Filmklassiker zu sehen – und zwar auf den PC, Laptops, Tablets und sogar Smartphones.

Seit gut zwei Jahren hat sich Hulu in den USA auch als Exklusivanbieter einiger populärer Serien aus Großbritannien etabliert. Doch nicht nur beim Einkauf anderswo erfolgreicher Inhalte setzt Hulu inzwischen auf Exklusivität. Kiefer Sutherland, der nach seinem Erfolg mit der Agentenserie „24“ zusammen mit John Hurt die Internetserie „The Confession“ drehte, entschied sich für Hulu als Vertriebsplattform.

So steht wohl außer Zweifel, dass den klassischen Fernsehkanälen sowohl im Bereich der Inhalteproduktion als auch beim Vertrieb und bei der Verbreitung starke Konkurrenten erwachsen sind. Und wie den großen Kabelstationen NBC, ABC, Fox und CBS in den USA zunächst Bezahlfernsehkanäle wie HBO mit aufwendigen Serienproduktionen den Rang abliefen. setzen nun im Grunde fernsehfremde Unternehmen wie Amazon die ganze Branche unter Druck – oder bereichern sie, das kommt auf ganz auf die Perspektive an.