Der Berlinalebecher kostet zwei Euro und kann jederzeit nachgefüllt werden  
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BerlinVon Düften, heißt es, kann sich das Gehirn, wenn sie sehr unterschiedlich sind, fünf bis sechs merken. Wobei Düfte nur einen Sinn ansprechen. Filme mindestens zwei, Sehen und Hören; hinzu kommen die Gerüche der bei der Berlinale stets sehr eng Umsitzenden, die man nach der Vorführung schnell wieder aus dem Gedächtnis schütteln muss, bevor das Erinnern einsetzt. Zwei also. Ich, die ich nur aushilfsweise Filmguckerprofi bin, fühle mich mit zwei Filmen am Tag vollkommen ausgelastet. Zu dem Rekapitulieren und Sortieren des Gesehenen und Gehörten kommt ja vor allem der innere Reflex auf die Stimmung, in die man hineingezogen wird. Kino ist – dritte Sinnesforderung – emotionale Suggestion, und manchmal braucht es lange, um sich davon zu befreien und vielleicht auch dagegen zu entscheiden. 

Die spröde Dramatik von „Undine“ etwa habe ich zwei Tage in meinem Herzen bewegt, bevor ich feststellte, dass die Märchenmotivik für mich nur als Dekoration Bestand hat und die eigentliche Geschichte ein Standesdrama ist, vor dem sich der Film meiner Ansicht nach aber wegduckt.  So viel Muße können sich die echten Filmguckprofis natürlich nicht leisten. Sie rennen nach den Vorstellungen schnell ins Pressezentrum im Hyatt, lassen sich im Berlinalebecher einen kostenlosen Kaffee vom Einstein geben (danke!), kauern sich nahe der Ladestation auf den Boden und hacken schnell die Eindrücke in die Tasten. Im günstigeren Fall zum späteren Nachlesen, im ungünstigeren zum sofortigen Senden.

"Sehr gut formuliert, das kann jetzt mal so stehenbleiben."

Gut wäre, wenn es eine persönliche Coaching-App gäbe, die einen quasi schlafwandlerisch durch den eigenen Festivaltag bringen würde: „Sehr gut formuliert, das kann so stehenbleiben, jetzt hast du noch Zeit, drüben im Sony Center eine Enchilada zu essen, und dann geht es um 14.30 Uhr im CinemaxX 5 weiter, für den Text darüber hast du dann Zeit bis 18 Uhr. Und mach beim Gehen ein paar Armkreise, du hast die Schultern ja fast an den Ohren.“ Oder so ähnlich.  Wobei man, zumindest im Rahmenprogramm, von Veranstaltern durchaus an die Hand genommen wird. Beziehungsweise von den von ihnen beauftragten Agenturen.

Früher bekam man eine Einladung und mailte zurück, ja, ich komme gerne. Jetzt muss man sich, gern mit voller Adresse und Schuhgröße, in Anmeldemasken eintragen und bekommt dann einen Strichcode, den man versprechen muss, ab sofort bei sich zu tragen. Zwei Tage vor dem Termin erfährt man, dass der Termin in zwei Tagen stattfindet, man aber keine Sitzplatzgarantie hat. Einen Tag vorher wird der Strichcode mit den Worten, dass es jetzt bald so weit sei, erneut zugeschickt. Und wenn man dann vor Ort ist, finden sie einen auf der Liste nicht. Nein, Quatsch, Wunschvorstellung. Sie finden einen. Sie finden einen immer.