Die Verfallsgeschichte dauert schon etwas länger an. Den einschlägigen Titel dazu trug 1986 ein Film von Denys Arcand: „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“. Darin ging es weniger um die Formen politischer Selbstzerstörung, wie sie zuletzt auf spektakulär-dramatische Weise in Washington zu beobachten waren. Der Film handelt vielmehr vom gewöhnlichen Unglück typischer Angehöriger des gebildeten Mittelstands. Es wird viel geredet in dem Film über Sex und Liebe, Paare und Passanten konstatieren das Scheitern ihrer konventionellen oder auch experimentellen Lebensformen. Der Wertezerfall der Wohlstandsgesellschaft wird dabei selbstironisch bis sarkastisch kommentiert und der im Titel angesprochene Untergang wird weniger als Bedrohung wahr-, sondern als unausweichliche Zwangsläufigkeit hingenommen. Etwas ist kaputtgegangen, Heilung unwahrscheinlich.

Nimmt man den Film als assoziative Ergänzung des aktuellen politischen Geschehens, dann ist kaum anzunehmen, dass der künftige amerikanische Präsident Joe Biden wird leisten können, was nun viele von ihm erwarten: die Versöhnung der tief gespaltenen amerikanischen Gesellschaft. Aussichtlos ist das Unterfangen schon deshalb, weil bereits die allgemeinen Annahmen in die Irre führen.

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