Was für ein wunderbares Konzert! Mag sein, dass auch wir alle toller geworden sind als beim letzten Mal, wie Anderson .Paak in der ausverkauftesten Columbiahalle strahlend ruft. Ganz sicher jedoch hat der Sänger, Rapper und Drummer seit dem letzten Juli am selben Ort noch eins draufgelegt. Vom eröffnenden „The Chase“ zum abschließenden „Dang!“ sprühte und britzelte der Auftritt vor Energie und Lust, die zweieinhalbtausend Leute in schwitzender Dauerbewegung. 

Unwiderstehliche Präsenz in der Columbiahalle

Das lag indes nicht nur an der unwiderstehlichen Präsenz; es war vor allem ein unglaublich musikalischer Auftritt. Mit eindrucksvoller, natürlich nur scheinbarer Mühelosigkeit dehnen er und seine Band The Free Nationals den HipHop-Kern in alle angrenzenden Bereiche aus. .Paak rappt druckvoll, hell und flink, aber genauso souverän croont er seine R&B-Strecken, schmeichelnd, in der Tradition von Marvin Gaye und Curtis Mayfield.

Anderson .Paaks herrliches Gespür für Timing

Fast unmerklich gleitet er von einem ins andere Idiom und von der Bühnenmitte an die Drums, von wo aus er die Band durch die Grooves führt, straff, leichthändig, dabei komplex, mit einem herrlichen Gespür fürs Timing. Die jazzige Spannung unterstreicht noch ein feiner Trompeter, der kleine Linien in die balladenhaften Stücke streut und die Uptempo-Nummern wie als One-Man-Bläsersatz akzentuiert. 

.Paaks Musik ist reiner Luxus, er schöpft rundum aus dem Vollen. Mit Ron Tvana Avant hat er als zweiten musikalischen Direktor einen ganz ausgezeichneten Keyboarder zur Seite, der klug die Grooves von Bass, zweitem Drummer und dem präzisen Gitarristen pimpt. Deren Fettheit wiederum beruht oft auf dem Goldfelgen-Funk der Neunziger-Westcoast. Nicht umsonst hat ihn dessen Erfinder Dr. Dre 2015 auf sein Comeback-Album „Compton“ gleich für sechs Tracks eingeladen und so zweifellos den Durchbruch mit „Malibu“ im Jahr darauf angeschoben. 

Bald erscheint sein Anderson .Paaks viertes Album "Ventura"

Offenbar brauchte .Paaks Schaffensdrang aber nur einen kleinen Schubs. Frisch mit einem Grammy für „Bubblin’“ behangen, erscheint bald sein viertes Album „Ventura“, worauf er mit einiger Tiefe von der schon auch prekären Jugend sowie den Ups and Downs des allgemeinen Homiewesens der Westküste erzählt. 

Anderson .Paak im Strandcocktail-Outfit

Weil das Ganze „Andy’s Beach Club World Tour“ heißt, trabt .Paak in bunt bedruckten Strandcocktail-Outfits über die Bühne. Die Hitze im Saal gibt ihm recht, aber auch der bei aller eindrucksvollen Abwechslung zwingende Fluss von fast abstrakt perkussivem HipHop und sacht pulsendem Soul schafft eine freundlich verstrahlte Spätsonnenstimmung. Doppelt schön war es dann noch, als der ganze Saal in höchsten Tönen das geschmeidige „Heart Don’t Stand a Chance“ mitsang. Ganz richtig nämlich: Das kleine Herz hatte vor dieser großen, kompletten Musik keine Chance.