Andrea Marcolongo ist eine Schwärmerin. Sie schwärmt von den Griechen, ihrer Sprache und vom Umziehen: 1987 in der Lombardei geboren, hat sie in ihrem noch kurzen Leben ungefähr sechsmal den Wohnort gewechselt; im Augenblick lebt sie in Paris. Der Untertitel ihres neuen Buchs, „Was uns die Argonautensage erzählt“, ist zutreffend. Zwar erzählt sie uns auch die Geschichte, in der sich der junge Jason mit seinen Gefährten auf der Argo aufmacht, um das Goldene Vlies (Fell) in Kolchis (heute Georgien) zu holen, wo er seine zukünftige Frau, die berühmt-berüchtigte Medea kennenlernt – aber wichtiger sind ihr die geheimen Botschaften und Erkenntnisse, die die Sage ihrer Meinung nach für uns bereithält. Jede Episode mündet in einer Art psychologischen, etymologischen oder mythologischen Analyse; im Grunde besteht das Buch aus lauter Exkursen und Gedankenspielen – über Glück und Unglück, Trauer und Freude und immer wieder über die Liebe und ihre eigenen Fluchten und Ausflüchte. Ausgehend von der Ur-Reise der Argonauten erkennt sie die Reise an sich (nach innen und außen) als unabdingbare Voraussetzung menschlicher Reife und Selbsterkenntnis. Dabei ist sie nicht nur Analytikerin, sondern zuweilen auch Predigerin – nicht im Namen Gottes, sondern des Menschen und seiner seelischen Ruhe.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.