Berlin - Der Kaufhausflaneur, Partylöwe, Schmuckeremit, Schnorr-Residenzler, Elektromusiker und Supermarktwerber Friedrich Liechtenstein hat eine schöne und verdiente Erfolgsgeschichte hingelegt, wir berichteten. Es muss angenehm sein, berühmt zu werden. Vielleicht spürt man sogar die Millionen Klicks als kitzelnden, prickelnden, knisternden Gänsehautschauer?

„Supergeil“ dürfte einer der meistgecoverten Hits sein, im Internet kreisen unzählige Parodien. F. L. kann sich sogar aussuchen, von wem er nicht parodiert werden will. „Ihr Hupen von Junge Union Darmstadt ... Wir haben bisher wirklich JEDEM erlaubt, unseren Song zu covern. Aber Euch haben wir es nicht erlaubt. Warum? Weil ihr nicht gefragt habt. Und wir hätten das auch nie erlaubt. Warum? Weil ihr die Junge Union seid.“ Wenn man berühmt ist, kann man vernachlässigte Schimpfwörter in Umlauf bringen: Ihr Hupen!

Leider darf man nicht nur austeilen, wenn man berühmt ist, man kriegt auch was ab. Die Bild am Sonntag wollte F. L. unbedingt mal wieder auf der Titelseite haben und schuf sich eine Gelegenheit, indem sie ihm eine Stasi-Vergangenheit anhängt. Substanz hat die Geschichte nicht, aber egal. F. L. soll 1986, als er noch Hans-Holger Friedrich hieß und Puppenspieler war, beim Figurentheaterfestival in Hohenstein-Ernstthal mit einem Stasi-Mann gesprochen haben, der der Unterhaltung Einzelheiten über Friedrichs Kollegen und Bekannte entnahm und ihn selbst als geeignet für die inoffizielle Mitarbeit einschätzte. Der Bericht, samt Vorlauf-Vermerk und Decknamen-Vorschlag, liegt der BamS vor.

Zum Hohenstein-Ernstthaler Puppentheaterfestival kommen wohl auch Besucher, aber vor allem war es damals eine Betriebssause. Lauter unangepasste Fusselköppe, Zwangsbastler, Spritis, Spinner, Poeten, Lebenskünstler und sicher auch ein paar Stasitrottel auf einem Haufen, viele überkreuz miteinander verbandelt − auf Projektebene, wie man heute sagen würde, aber auch in Liebes- und Feindesdingen.

Da wird nicht nur applaudiert, sondern auch übereinander geklatscht. Laut dem Mitschreiber habe Friedrich „seine Bereitschaft signalisiert, Aufgaben zu übernehmen“. Die „Signale“ − die den heutigen Anpinklern als Grundlage genügen − waren von dem Stasiwerber falsch verstanden worden. Friedrich schlug, vermutlich, als ihm klar war, mit wem er da gequatscht hat, das Zusammenarbeitsangebot noch im selben Jahr aus − steht auch in der BamS-Akte.

Wir haben jetzt einen ganzen Tag gezögert, ob wir überhaupt auf diese Nichtgeschichte eingehen. Aber erstens ist F. L. zu berühmt, und zweitens soll man keine Gelegenheit auslassen, die BamS-Leute beim Namen zu nennen: Ihr Hupen!