Berlin - Den Riesenschlüssel haben wohl die angehenden Plastiker der Kunsthochschule Berlin Weißensee geformt. Ein symbolisches Antrittsgeschenk für die neue Rektorin, sogar mit Loch fürs Umhängeband. Damit sie ihn nie verlieren kann. Angelika Richter übernahm am 1. Juni das Amt von der in Pension gehenden Leonie Baumann. Diese hat seit 2011 das Feld auf dem Kunst-Campus im Osten der Stadt gut bestellt, gesellschaftliche Debatten auch zur Geschlechterparität vorangetrieben, ebenso die künstlerische Digitalisierungs-Strategie und internationale Vernetzungen.

Die 1946 gegründete Kunsthochschule Weißensee hat ein ehrgeiziges Ziel: die Erweiterung zum „Wissenschafts- und Kreativstandort Campus Weißensee“, wo in den Bereichen Kunst und Design an vielversprechenden Entwicklungen gearbeitet und geforscht wird. Unter Baumann entstand das Netzwerk „See UP“, dazu eine Atelier-Etage mit 22 Plätzen für Absolventinnen und Absolventen.

Diese Programme sind für Angelika Richter Ideenschmieden, die dem Start in die Praxis dienen. Und sie will Chancengleichheit befördern, Geschlechtergerechtigkeit, Diversität, Inklusion und Familienfreundlichkeit. Viel Arbeit also für die 1971 in Dresden Geborene. Sie studierte in Tübingen und an der FU Berlin Kunstgeschichte, promovierte zur Genderkritik, lehrte an Kunsthochschulen wie Burg Giebichenstein Halle, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und an der Bauhaus-Uni Weimar. Richter war auch für die Liverpool Biennale und die Werkleitz Gesellschaft am Hallenser Zentrum für Medienkunst tätig. Zuletzt leitete sie den Deutschen Künstlerbund.

In ihrer Antrittsrede ließ die Neue anklingen, was sie vorhat: „Als Rektorin ist es mein Ziel“, sagte sie, „die Profilierung als Kunsthochschule für Freie Kunst und Design zu fördern und die zahlreichen Denk-, Lern- und Experimentierräume im Studium, der Lehre und Forschung auszubauen.“ Ziel sei eine exzellente Ausbildung der Studierenden und für einen gestalterischen Nachwuchs auf hohem internationalen Niveau. „Aus unserer Hochschule sollen Künstler in den Alltag gehen, die kreative Vielfalt der Gesellschaft stärken.“