Comedian Abdelkarim Zemhoute
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BerlinAuch gut 48 Stunden nach dem gewalttätigen Überfall auf ein Team der ZDF-Satiresendung „heute-show“ nahe des Berliner Alexanderplatzes waren die Hintergründe des Angriffs noch unklar. Zwar hatten Berliner Behörden die Tatverdächtigen zunächst dem linken Spektrum zugeordnet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich jedoch weder zu der Identität noch zu den Motiven der Verdächtigen äußern. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Stowik sagte, in der Sache ermittle der Staatsschutz. Die sechs Tatverdächtigen, vier Männer und zwei Frauen im Alter von 24 bis 31 Jahren, wurden mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie die Polizei mitteilte, habe bei vier der Festgenommenen kein dringender Tatverdacht vorgelegen, bei zweien seien keine Haftgründe gegeben.

Am 1. Mai war das ZDF-Team, aus einer Gruppe von etwa 20 Vermummten heraus attackiert worden. Dabei wurden die Mitarbeiter der „heute-show“ geschlagen, offenbar auch mit einer Metallstange. Noch am Boden liegend sollen sie getreten worden sein. Nach Angaben des ZDF wurden dabei ein Redakteur, ein Kameramann, ein Kameraassistent sowie drei Sicherheitsleute verletzt. Vier von ihnen mussten nach Polizeiangaben anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Sie konnten mittlerweile wieder entlassen werden. Der Comedian Abdelkarim, der ebenfalls zu dem Team gehörte, blieb unverletzt. Er und seine Kollegen hatten vor dem Angriff auf einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen gedreht.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Sonntag, dem internationalen Tag der Pressefreiheit, der Deutschen Presse-Agentur (dpa), wer Journalisten angreife, müsse „die Kraft unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen“. Gewalt und Gewaltandrohung müssten geächtet werden. „Die Freiheit der Presse ist eine Säule unserer Demokratie“, betonte der Minister. „Der Staat hat zu garantieren, dass dieses Grundrecht zu jeder Zeit und an jedem Ort gewährleistet ist.“

Zuvor hatte bereits Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) via Twitter den Angriff als „erschreckend“ bezeichnet. „Wir stehen auf Eurer Seite“, schrieb er an die Adresse der ZDF-Mitarbeiter. „Ein Angriff gegen Medien ist ein direkter Angriff auf unsere Demokratie“, erklärte die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion Katrin Göring-Eckardt ebenfalls auf Twitter. Sie forderte eine schnelle Aufklärung. „Das war ein feiger und durch nichts zu rechtfertigender Überfall auf Journalisten, die ihrer Aufgabe der Berichterstattung nachgekommen sind“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Frank Überall. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) nannte die Attacke einen „Angriff auf die Pressefreiheit, der nicht zu rechtfertigen ist“.