Ein Journalist des Tagesspiegel wurde nach eigenen Angaben Opfer eines offenbar rechtsextremistischen Angriffs. Der Kolumnist Helmut Schümann war am Freitag in der Charlottenburger Lewishamstraße unterwegs, als er von hinten eine Männerstimme hörte: „Du bist doch der Schümann vom Tagesspiegel, du linke Drecksau.“ Gleichzeitig habe ihm der Angreifer von hinten gegen den Oberkörper geschlagen, so dass Schümann stürzte.

Nach Angaben eines Polizeisprechers erstattete der Journalist am Sonntag auf dem Abschnitt 24 Anzeige. „Wir ermitteln wegen Körperverletzung und Beleidigung“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Weitere Zeugen für die Tat gebe es bislang nicht.

Der 59-jährige Schümann, der nach eigenen Angaben eine Schürfwunde erlitt, wertet den Angriff auf seiner Facebook-Seite als Reaktion auf seine am Freitag auf der Titelseite erschienene Kolumne mit der Überschrift „Ist das noch unser Land?“. Darin verurteilte er unter anderem Hetze gegen Flüchtlinge und setzte sich kritisch mit der AfD und Pegida auseinander. Er beschrieb, warum er „niemals stolz sein werde“, Deutscher zu sein.

Die Tagesspiegel-Chefredaktion erklärte: „Wir sind entsetzt von dem Vorfall. Es ist ein Angriff auf unseren Autor Helmut Schümann und zugleich einer auf die Presse- und Meinungsfreiheit.“