Anja Rützels Kolumne: Verbimmelte Camp-Kompanie

Jana Pallaske rüstet sich für den Dschungel, und Cardi B. warnt vor dubiosen Hinternvergrößerungen: das war die Woche auf dem Boulevard.

Auf diesem Foto vermutet man es nicht, doch Celine Dion scheint es wirklich nicht gut zu gehen.
Auf diesem Foto vermutet man es nicht, doch Celine Dion scheint es wirklich nicht gut zu gehen.www.imago-images.de

Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Natürlich Harry und Meghan, die mit dem ersten Teil ihrer Netflix-Plaudereien die Prominews fest im Schwitzkasten hielten. Ich habe mir die ersten drei Folgen natürlich pflichtschuldig sofort nach Erscheinen angesehen und hätte sie danach gerne mindestens bis zum zweiten Teil nächste Woche wieder vergessen, aber es gab ja medienflächendeckend kein Entrinnen. Heute Morgen erwachte ich zum Beispiel mit dem Gedanken, dass ich jetzt weiß, dass Harry und Meghan bei ihrer Verlobungsfeier Partnerlook-Pinguinkostüme trugen; das ist doch kein Leben. 

Glücklicherweise können Sie sich ja bald mit dem Dschungelcamp von Ihrem royalen Kummer ablenken. Vergangene Woche wurde Claudia Effenberg als potenzielle Kandidatin gehandelt – wäre sie eine gute Wahl?

Anja Rützel und Hund Juri
Anja Rützel und Hund Juriprivat

Ich finde, ihre Rolle als patente Mutter der Camp-Kompanie wäre etwas zu vorhersehbar, um wirklich interessant zu sein. Außerdem hat sie 2014 tatsächlich schon „Promi Big Brother“ gewonnen, und ich kann mich an keine einzige Szene mit ihr erinnern. Aber ich würde mir viel von der zweiten Kandidatin versprechen, über die vergangene Woche ebenfalls gemunkelt wurde: die Schauspielerin Jana Pallaske, die sich vergangenes Jahr schon im „Sommerhaus der Stars“ als esoterisch ziemlich verbimmelte, aber dabei grundsympathische und herzenswarme Besetzung empfahl. Nachdem bis jetzt ansonsten vor allem Krawallfrüchtchen als mögliche Campinsassen vermutet werden, fände ich eine Botschafterin der Harmonie eine gute Wahl. Außerdem liebe ich es, dass sie sich seit einiger Zeit JEDI¥ESS nennt. Ich finde, wir sollten ulkige Namen mit Sonderzeichen nicht alleine Elon Musk überlassen.

Celine Dion hat vergangene Woche bekannt gegeben, dass sie unheilbar krank ist und am Stiff-Person-Syndrom leidet.

Es scheint ihr wirklich nicht gut zu gehen, das ist natürlich sehr traurig. Ich habe mir das YouTube-Video angesehen, in dem sie von ihrer Diagnose erzählt, und das ist natürlich sehr bewegend. Sie spricht unter Tränen von den Krämpfen, unter denen sie seit längerem leidet, für die die Ärzte bis vor kurzem keine Erklärung hatten, und die ihren ganzen Alltag beeinträchtigen, weil ihr das Gehen schwer fällt und sie auch keine Kontrolle mehr über ihre Stimmbänder hat. Bei ihrer Krankheit handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems, die nur eine von etwa einer Million Personen betrifft. Neben den Krämpfen treten dabei auch Muskelversteifungen und starke Schmerzen auf. Dion hoffe, so sagt sie in dem Video, dass sich ihr Zustand bald so weit verbessere, dass sie wieder auf der Bühne stehen kann.

Die Rapperin Cardi B. erfüllte vergangene Woche auf Instagram ihren berühmtsheitsgemäßen Bildungsauftrag – und riet ihren Fans vor dubiosen Hinternvergrößerungen ab.

Ja, und sie sagte dabei den schönen Satz „Ich bin wirklich sehr gegen Arschspritzen“ – sie hatte sich ihr Gesäß nämlich 2014 in einer extrem zweifelhaften Kellerpraxis mit illegalen Silikonspritzen vervoluminösern lassen. Im Sommer habe sie diese Eingriffe nun rückgängig machen lassen, sagte sie jetzt in einer Instagram-Livestory. Wer trotzdem der Meinung sei, sein Hinterteil unbedingt vergrößern lassen zu müssen, sollte sich zumindest vorher von einem echten Arzt durchchecken lassen. Sie habe sich als junge Frau damals zu dünn gefühlt, sei deswegen komplett unbedarft an diese Eingriffe rangegangen und habe sich erst Brust, dann Po vergrößern lassen. Grundsätzlich sei sie aber nicht gegen Schönheitseingriffe: Nach ihrer zweiten Schwangerschaft will sie sich jetzt den Bauch straffen lassen.

Was macht eigentlich Helene Fischer?

Sie hat vergangene Woche in einem Interview im Schweizer Fernsehen erzählt, 2019 vermutlich nur knapp einem Burnout entgangen zu sein – tatsächlich habe sie wohl die künstlerische Zwangspause während der Coronazeit davor bewahrt, sagte sie. Deswegen will ich ihr hier ausnahmsweise mal keine aufregenden Unternehmungen unterjubeln, man muss ja auch mal Pause machen.

Die Fragen stellte Christian Seidl.


Anja Rützel ist freie Autorin und schreibt vor allem über Fernsehen und Tiere. Für die Berliner Zeitung am Wochenende beobachtet sie die wunderliche Welt der Promis.