Berlin - Anke Pätsch, gebürtige Potsdamerin und seit langen Jahren Wahlberlinerin, ist viel herumgekommen. Die heute 51-Jährige hat in Berlin als Buchhändlerin gearbeitet und unter anderem in Prag und Sankt Petersburg Germanistik, Osteuropastudien sowie Editionswissenschaft studiert. Sie forschte an tschechischen und slowakischen Universitäten und war zuletzt 17 Jahre in der Geschäftsleitung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen tätig. Nun kehrt sie nach Hause zurück, nach Brandenburg: Anke Pätsch ist die neue Direktorin des Kleist-Museums in Frankfurt an der Oder.

Einer der bedeutendsten Schriftsteller der Weltliteratur

Das 2013 durch einen Neubau ergänzte Museum in der ehemaligen Garnisonschule, dem einzigen Barockbau der Doppelstadt am Grenzfluss, widmet sich dem Werk und Leben eines Schriftstellers, der seiner Zeit voraus war. Kleists zwischen Aufklärung und Romantik vermittelndes Werk wurde zu Lebzeiten vor allem abgelehnt. Heute fasziniert und inspiriert es in seiner Modernität und Radikalität. Mit 34 Jahren nahm er sich am Kleinen Wannsee gemeinsam mit Charlotte Vogel das Leben. Erst Generationen später wurde er von einem größeren Publikum entdeckt und gilt heute als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Weltliteratur.

Anke Pätsch wollte mit ihrer neuen Aufgabe als Direktorin und Stiftungschefin eine für sie faszinierende Herausforderung annehmen, „Management und Literatur verbinden“. Diese Kombination bezeichnet sie als ihren „Traumjob.“ Sie will nun für eine größere Reichweite des Museums am Geburtsort Kleists sorgen, das trotz der Nähe zur Hauptstadt viele Berliner gar nicht kennen. Das soll sich nun ändern. Pätsch: „Wir haben über 30.000 Sammlungsstücke. Kleinodien, die es aus den Kellern zu holen und zu neuen Ausstellungen zu verbinden gilt. Anhand dieser Schätze wollen wir zeigen, warum Kleist auch nach 200 Jahren hochaktuell geblieben ist.“ In Berlin läuft Pätschs Lieblingsnovelle, Kleists „Michael Kohlhaas“, derzeit gleich an zwei Häusern, in der Schaubühne inszeniert von Simon McBurney und am Deutschen Theater in einer Version von Andreas Kriegenburg. Der Gerechtigkeitsfanatiker hat in Zeiten des Wutbürgertums Konjunktur.