Berlin - Die Schriftstellerin Annett Gröschner erhält, wie die Akademie der Künste am Freitag mitteilte, den Großen Kunstpreis Berlin 2021, der mit 15.000 Euro dotiert ist und den die Akademie der Künste im Turnus ihrer sechs Sektionen im Auftrag des Landes Berlin vergibt.

Mit der 1964 in Magdeburg geborenen und in Berlin lebenden Annett Gröschner wird dabei eine Schriftstellerin ausgezeichnet, die sich neben ihren Romanen („Moskauer Eis“, „Walpurgistag“) immer wieder semi-dokumentarischen Textformen gewidmet hat. Hervorzuheben sind dabei zwei Bände, die zusammen eine Art exemplarische Industriegeschichte der DDR ergeben. Als Stadtschreiberin von Rheinsberg hat Annett Gröschner Ende der 1990er-Jahre Interviews mit Arbeitern des Kernkraftwerks Rheinsberg geführt, das in seiner Entstehungszeit in den frühen 60er-Jahren als Vorzeigeprojekt der sozialistischen Gesellschaft galt. In ihrem Buch berichten Gröschners Interviewpartner nicht nur über ihren Arbeitsalltag, sondern gewähren auch Einblicke in die Lebenswelt der DDR. Durch die nahezu unkommentierte Zusammenstellung der Gesprächspassagen ist eine dichte Beschreibung der sozialen Wirklichkeit einer inzwischen untergegangenen Arbeitswelt erhalten geblieben. Auf ähnliche Weise haben sich Gröschner und der Fotograf Arwed Messmer später dem DDR-Uranabbau der Wismut AG gewidmet.

Zu Gröschners Werken gehört zudem ein liebevoller Blick auf die Berliner Verkehrswelt, für die sie sich mit Messmer auf lange Fahrten mit Linienbussen eingelassen und so eine zwanglose Sozialgeschichte von unten hervorgebracht hat. Dieser besondere Blick hat wohl auch die Jury überzeugt, der die Akademiemitglieder Ulrich Peltzer und Monika Rinck sowie die Literaturkritikerin Wiebke Porombka angehört haben. Gröschner sei eine unermüdliche Chronistin der Stadt und deren Bewohnerinnen und Bewohner. „Sie ist Flaneurin und wandelndes Stadtarchiv gleichermaßen und verbindet in ihren Texten literarische, soziologische und historische Herangehensweisen“, heißt es. „Ihr literarischer Blick hat eine menschenfreundliche Schärfe, der die Stadt und alles, was sich in ihr bewegt, klarer, komplizierter und kontrastreicher herausstellt.“ 

Neben dem Großen Kunstpreis Berlin werden am 18. März auch die sechs Kunstpreise Berlin in Höhe von jeweils 5000 Euro verliehen. Die Preise gehen an den indischen Konzeptkünstler Sajan Mani (Sektion Bildende Kunst), an das Architekturbüro Harquitectes in Barcelona (Sektion Baukunst), an die slowenische Komponistin und Musikerin Petra Strahovnik (Sektion Musik), an die deutsche Schriftstellerin Lea Schneider (Sektion Literatur), an die Schweizer Schauspielerin Gina Haller (Sektion Darstellende Kunst) sowie an die deutsche Multimedia-Künstlerin Susann Maria Hempel (Sektion Film- und Medienkunst).