Etwa 1500 Leute hüpfen auf und ab und rufen mit der Antilopen Gang: „Deutschrap muss sterben, damit wir leben können“. Es könnte auch „Deutschland“ heißen, wie im Stück der alten Hamburger Polit-Punks Slime. Denn das HipHop-Trio aus dem Kölner Raum bringt den Titel nicht nur ab und zu im Konzert, es bezieht sich auch auf die Punktradition.

Und nicht zuletzt stehen Koljah, Danger Dan und Panik Panzer bei JPK unter Vertrag, dem Label der Toten Hosen, die mit ihrem frühen Titel „Opel Gang“ auch den Bandnamen inspirierten. Die Beats werden im Konzert von einem Drummer unterstützt, und man hört immer wieder punkige Nummern wie „Anti Alles Aktion“, worin die Rapper alles blöd finden, oder „Fick die Uni“, der gerade beim augenscheinlich studentischen Publikum Zustimmung findet.

Kritischer Rap

Tatsächlich benutzen die Antilopen ein letztlich auch von Punks wie Die Toten Hosen oder Die Ärzte bekannte Doppelstrategie aus Großmaul-Geblödel und Einmischung, nur eben in Form lauthalser Battle-Reime. Am virtuosen und hart humorigen Anteil liegt es wohl auch, dass sie mittlerweile Hallen wie das Astra restlos füllen. Seit 2009 veröffentlichen sie per Singles und Mixtapes im Netz als Antilopen Gang. Kritische Ideen in den Raps dürften wiederum dafür verantwortlich sein, dass sie auch mit nur einem offiziellen Album, „Aversion“ von Ende 2014, gerade den New Music Award der ARD-Radios erhielten.

Sie können unter der lustigen Schale ziemlich seriös sein. Dann geht es gegen Homophobie und Sexismus, oder sie beschimpfen im schön betitelten „Beate Zschäpe hört U2“ die Stammtischrechten und lassen sich wortstark und laut gefeiert zur Flüchtlingspolitik ein. Als Politrapper – denen sie einst auf „Politrap“ ein eher unfreundliches Zeugnis ausstellten – wollen sie sich nun allerdings nicht verstehen, sie unterbrechen für die gute Punchline durchaus den Fluss der Gedanken und schätzen allgemein ihre Widersprüche.

Dazu könnte man schon rechnen, dass sie sich über ihren Labelstatus lustig machen und gerade wieder ein Gratis-Mixtape namens „Abwasser“ veröffentlicht haben. Darauf wiederum veralbern sie Post-Punks wie Malaria!, Max Herre und die gerade politisch gewordenen Satiriker K.I.Z, dazu werfen sie „Molotowcocktails auf die Bibliotheken“ und dichten das Sauflied „Alkilopen“, das sie live als Zugabe von einer Seitenbühne zur akustischen Gitarre bringen.

Überhaupt zeigt der Auftritt, dass sie musikalisch so vielseitig denken, wie sie sich im Rapformationstanz bühnensicher und energisch zeigen. Ihr Entertainment-Konzept heißt Beweglichkeit statt Konsistenz. Auch das klingt irgendwie nach Punk.