Berlin - „Der Riss beginnt im Inneren“: So lautete der Titel der 11. Berlin-Biennale, die zwischen September und November letzten Jahres in mehreren Berliner Ausstellungshäusern stattfand, unter pandemiegerechten Auflagen. Dazu zählten etwa der Martin-Gropius-Bau, das KW Institute sowie die DAAD-Galerie. Der titelgebende „Riss“ sollte Zeugnis ablegen von Gewalt sowie von „gegenseitiger Berührung und Bewegung“, hieß es im Begleitkatalog. Der Fokus lag auf Peripherem und Widerständigem, auf den Kämpfen marginalisierter Gruppen. Ein Großteil der Positionen spiegelte Ungleichbehandlung und Diskriminierung.

Bei solch sozial- und identitätspolitsicher Verpflichtung überrascht es umso mehr, worauf  nun drei in die Biennale involvierte Personen, darunter die Performance-Künstlerin Adi Liraz, die Berliner Zeitung aufmerksam machten: Ein Kunstwerk, das im Rahmen der KW-Ausstellung zu sehen war, bezeichnen sie in individuellen Statements teils als antisemitisch, mindestens als problematisch. Gemeint ist Christine Meisners „Unschärfe im Möglichen. Episode 1: Einsendungen aus Berlin“, eine Rauminstallation, bestehend aus Aufnahmen von Leserbriefen, mit denen Meisner die Wände ihrer Rauminstallation tapeziert hatte. Die Briefe waren in den 1930er-Jahren unaufgefordert aus Berliner Haushalten an die Nürnberger Redaktion des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer gesendet worden.

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