Berlin - RBB-Moderator Ken Jebsen hat sich für angeblich antisemitische Äußerungen entschuldigt. „Es tut mir leid, dies war nie meine Absicht“, sagte Jebsen am Sonntag in seiner Radiosendung „Ken FM“. Wer seine Sendung auch nur ein Mal gehört habe, müsse wissen, dass der Vorwurf, er würde den Holocaust leugnen, absurd sei. RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle hatte zuvor angekündigt, dass der Politikanteil in der Sendung künftig deutlich reduziert wird.

Jebsen betonte am Sonntag, er habe im Anschluss an eine Sendung eine „zugegebenermaßen missverständliche private Mail an einen Hörer“ verfasst. In der hitzigen Diskussion seien vielleicht journalistische Standards verletzt worden. Hintergrund war nach Senderangaben eine Jebsen zugeschriebene Mail, die durch den Blog von Henryk M. Broder öffentlich wurde. Der Vorwurf drehte sich um den Satz „Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat“, der im Internet in kruder Rechtschreibung kolportiert wurde.

Ken Jebsen geht wieder auf Sendung

Er habe sich mit diesem Zitat auf den „Erfinder der Public Relation, Edward Bernays“ bezogen. „Das war keine Holocaust-Leugnung, es ging um die Propaganda und ihren Mechanismus“, sagte Jebsen und fügte hinzu. „Ich war schockiert über das Ausmaß der persönlichen Angriffe“. Jebsen dankte dem Team des Radiosenders Fritz und dem RBB für das Vertrauen. Die Sendung „KenFM“ war vergangenen Sonntag ausgesetzt worden. In dieser Woche hatte der RBB entschieden, Jebsen wieder ans Mikrofon zu lassen.

Programmchefin Nothelle hatte zuvor der Berliner Morgenpost gesagt, dass die politischen Themen künftig abgesprochen werden. Wenn es um Meinungsäußerungen gehe, würde man auch über Formulierungen reden müssen. „So ist das sonst im Journalismus auch üblich, dass man redaktionell über bestimmte Darstellungsformen spricht“, sagte sie. Jebsen habe die umstrittene Mail ernst gemeint, sie sei nicht als Satire geschrieben. „Aber er hat sie unter hohem Druck geschrieben. Allerdings: Den Gedanken, dass man gewisse Dinge noch mal liegen lässt, bevor man sie losschickt, haben wir ihm sehr nahe gebracht“, sagte sie der Zeitung.

Zuerst ein Lied der Ärzte

Die Sendung „Ken FM“ widmete sich am Sonntag ganz dem Thema „PR“ – zu verstehen hier allerdings als „Positives Radio“. Moderator Ken Jebsen hatte dazu ausschließlich Gäste eingeladen, die sich für andere einsetzen, zum Beispiel einen Mitarbeiter von Misereor. Zwischendurch prangerte er aber auch immer wieder durch Zitate und Anspielungen die Art und Weise an, wie er in der vergangenen Woche als Holocaust-Leugner in den Medien dargestellt wurde. „,Ken FM‘ ist gegen Gewalt, auch gegen verleumderische und hetzerische in den Medien“, sagte Jebsen. In seiner umstrittenen, von Broder zitierten Mail hatte Jebsen auch geschrieben, dass er seine Hand ausstrecke und Menschen mit Respekt begegne, und resümierend notiert, dass Hass alles vergifte. Bezeichnenderweise war das erste Lied in der Sendung am Sonntag der Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“, in dem ein Neo-Nazi als „saudumm“ und als „Arschloch“ beschimpft wird. (BLZ/dpa)