Es ist schwer, sich zu entschuldigen. Wir Deutschen sind keine Weltmeister. Bei den Polen haben wir achtzig Jahre gebraucht. Dann haben wir für den Zweiten Weltkrieg um Verzeihung gebeten. Im Alltag ist es nicht besser. Jeden Tag kann man es beobachten. Ein guter Ort ist die Bahn. Für mich ein deutsches Top-Unternehmen. Ein paar Minuten Verspätung sind mir egal. Meine Nachbarn im Speisewagen sehen es anders. Sie laufen rot an vor Wut. Es kann am Schaffner liegen. Er entschuldigt sich nicht für die Verspätung. Er kündigt an, dass die Anschlusszüge nicht erreicht werden.
Einmal sah ich ein Rennen auf der Straße des 17. Juni. Ein Auto hatte ein anderes Auto geschnitten. Dem anderen Auto gefiel es nicht. Die Fahrer lieferten sich eine Verfolgungsjagd. Sie bremsten sich gegenseitig aus. Am Ende standen sie vor dem Brandenburger Tor und traten sich gegenseitig die Kotflügel und Autotüren kaputt. Irgendwann kam die Polizei. Im Verkehr entschuldigt sich niemand. Im Verkehr verzeiht niemand.

Vor allem die Medien sind gegen Entschuldigungen resistent 

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.