Berlin - Vor wenigen Wochen wurden die von dem Architekten Manfred Prasser und seinem Kollektiv vage historisierend dekortierten Plattenbauten am Gendarmenmarkt in die Berliner Denkmalliste aufgenommen. Schon seit dem vergangenen Jahr steht die spätmodernistische Wohnanlage Lima in Kreuzberg von Hermann Herzberger drin, als Musterbeispiel einer mit den Mietern zusammen entwickelten Architektur. Längst ist die Zerstörung des Marzahner Zentrums von 1987 – vergleichsweise verspielt als Kontrast zur Einheitlichkeit der grauen Wohntürme entworfenen von Wolf Eisentraut, Michael Kny, Thomas Weber und ihrem Kollektiv – als Sündenfall erkannt, sind die Bauten der West-Berliner Internationalen Bauausstellung IBA 1987 wie zu ihren Entstehungszeiten Ziel von Stadtführungen und wissenschaftlichen Studien.

Kurz: Die Architektur und Stadtplanung in „Berlin (West)“ und in „Berlin – Hauptstadt der DDR“ aus den 1980er-Jahren sind wieder en vogue. Dass sich die Berlinische Galerie mit der Ausstellung „Anything Goes“ des Themas annimmt, war also hohe Zeit. Und sie macht es mit einer grandios monumentalen Inszenierung, die dem Anspruch jener Jahre auch durch die Masse der Modelle, Zeichnungen, Fotografien und Filme vollauf gerecht wird: Es ging darum, Individualismus und Gemeinschaftlichkeit zu vereinen, die Innenstadt als Lebensraum und die Geschichte als Lebenshintergrund wiederzuentdecken. Nach drei Jahrzehnten neoliberalen Konsum-Kults wird hier die ästhetische Experimentierlust einer Zeit in Erinnerung gerufen, die mit dem Schlagwort „Postmoderne“ allenfalls grob umschrieben werden kann.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.