Anziehungskraft der Metropole: „Paris Magnétique“ in Berlin

Metropolen wirken auf kreative Menschen mitunter wie ein Magnet. Die Vielschichtigkeit lockt an, Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, die Diversität der Masse ...

Berlin-Metropolen wirken auf kreative Menschen mitunter wie ein Magnet. Die Vielschichtigkeit lockt an, Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, die Diversität der Masse bietet Anreiz und Schutz zugleich. Was eine Beschreibung des neuzeitlichen Berlin sein könnte, zeichnete die französische Hauptstadt Paris zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts aus. Die Ausstellung „Paris Magnétique. 1905-1940“ im Jüdischen Museum Berlin widmet sich von diesem Mittwoch an bis zum 1. Mai der Entwicklung, die im Begriff Pariser Schule (École de Paris) zusammengefasst wurde.

Rund 120 Arbeiten sehr unterschiedlicher Richtungen zeigen, dass die Pariser Schule keine Stilrichtung beschreibt. Sie stand für eine kosmopolitisch geprägte Kunstszene, die nationalistischen und rassistischen Strömungen entgegenwirkte. Die Künstlerinnen und Künstler der École de Paris waren überwiegend nicht französisch. Sie stammten vielmehr etwa aus Deutschland, Italien, Russland, Polen, der Ukraine, Belarus, sie waren Vertriebene, Flüchtlinge, Einwanderer.

Viele unter ihnen waren jüdischen Glaubens, auf sie konzentriert sich die Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin und des Pariser Musée d'art et d'histoire du Judaïsme. Gezeigt werden Arbeiten etwa von Marc Chagall, Amedeo Modigliani, Chana Orloff, Sonia Delaunay oder Jacques Lipchitz. Aus Sicht von Hetty Berg, Direktorin des Jüdischen Museums, gab diese so unterschiedlich geformte Avantgarde von Paris aus „der gesamten europäischen Moderne ihre entscheidenden Impulse“.