Macht euch selbst ein Bild vom Mond“ heißt ein Workshop, den der Webkanal MDR Wissen am heutigen Dienstag ab 18 Uhr veranstaltet. „Überlebst du die Mondmission?“ fragt Galileo, das Wissensmagazin von Pro Sieben, und lädt dazu ein, in einem interaktiven Spiel in die Moonboots von Neil Armstrong zu steigen.

Zur Mondlandung sendete der WDR 27 Stunden live - der Moderator wurde zu „Mister Apollo“

Zum 50. Jahrestag der Mondlandung erinnern viele Sender an die historische Mission von Apollo 11 und nutzen die neuen Möglichkeiten im Netz. Schon zwischen dem 16. und 21. Juli 1969 hatten Fernsehen und Radio die besonderen Momente weltweit verbreitet. Über 500 Millionen Zuschauer sollen damals den Ausstieg von Neil Armstrong und Buzz Aldrin live miterlebt haben – der in Deutschland nicht gerade zur besten Sendezeit erfolgte. Kurz vor vier Uhr früh war am 21. Juli 1969 zu sehen, wie eine schemenhafte, fast durchsichtige Gestalt eine Leiter herabstieg. Die deutschen Originalreportagen werden am Sonnabend wiederholt: Die Rias-Sendung frühmorgens bei Deutschlandradio Kultur, die ARD-Übertragung spätabends beim WDR, der damals das Sonderstudio für die ARD betrieb.

Die Dokumentation „Als keiner schlafen wollte“ ist trotz seiner dreieinhalb Stunden eine Zusammenfassung. 1969 sendete der WDR insgesamt 27 Stunden live, der Moderator Günter Siefarth wurde zu „Mister Apollo“ – obwohl er die meiste Zeit über fast nichts zu zeigen hatte. Legendär wurde der Sandkasten im Studio, der die Mondoberfläche darstellen sollte und an dem Experten mit Zeigestöckchen stundenlang fuchtelten.

Die Astronauten in den USA waren Stars - die Medien trugen viel dazu bei

Wie professionell die amerikanischen Sender die Mondmission vorbereitet und begleitet hatten, das zeigt die dreiteilige Doku „Die Eroberung des Mondes“ von Robert Stone auf Arte – ein Muss für jeden Freund der Raumfahrt. Hier erklären Regisseure der CBS, wie sie im Vorfeld mit Apollo-Modellen den Flug animiert und mit Schauspielern die wichtigsten Szenen durchgespielt hatten. Selbst Special-Effects-Experten, die bei Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ mitgewirkt hatten, wurden engagiert.

Die gesamte mediale Berichterstattung in den USA über die Mondmission muss prägend für jene Jahre gewesen sein. Die Astronauten waren Stars, hatten Exklusiv-Verträge mit dem Life-Magazin, ihre Frauen und Familien wurden permanent beobachtet, selbst in den dramatischsten Momenten. Das Projekt brauchte die Öffentlichkeit, schließlich mussten die US-Regierung und die Nasa sich dafür rechtfertigen, wofür sie die Milliarden ausgaben.

Die Medien waren auch bei Katastrophen live dabei - wie 1967 bei einer Start-Simulation

Der Arte-Dreiteiler kann also aus einem großen Angebot von Bildern schöpfen – und wie er das tut, ist absolut sehenswert über die gesamten fünf Stunden. Obwohl der Autor Robert Stone eine Reihe prominenter Mitwirkender vors Mikro geholt hat, unter anderen die Astronauten Buzz Aldrin, Michael Collins, Frank Borman und Bill Anders, sind sie nie vor der Kamera zu sehen, sondern kommentieren stets aus dem Off die damaligen Bilder. So wirkt der Dreiteiler ungemein authentisch.

Die Dokumentation beginnt mit dem Sputnik-Schock 1957. Erst der dritte Teil widmet sich der Mission von Apollo 11. Aber auch die Zeit bis dahin ist spannend: So wird jenes historische Foto von Bord von Apollo 8, das kurz vor Weihnachten 1968 einen den Erdaufgang hinter dem Mond zeigt, hier regelrecht zelebriert.

Auch bei den Katastrophen waren die Medien live vor Ort, so im Januar 1967, als drei Astronauten bei einer Start-Simulation in ihrer mit Sauerstoff gefüllten Kabine verbrannten. Autor Robert Stone findet die angemessene Art der Umsetzung.

Die französische Dokumentation „Wem gehört der Mond?“ wirft anderes Licht auf die Mondlandung

Medial völlig anders agierte das sowjetische Raumfahrtprogramm, das in dem MDR-Beitrag „Marsmänner mit Hammer und Sichel“ im Zentrum steht: Erfolge wurden gefeiert, Fehlschläge verschwiegen. Sergej Chruschtschow, Sohn des Kreml-Chefs Nikita, ist hier (wie auch bei Arte ) der Gesprächspartner. Der Autor Martin Hübner kann darüber hinaus auf frühere Interviews mit führenden „Raketschiks“ wie Wassili Mischin und Boris Tschertok zurückgreifen, die erklären, warum die Sowjetunion keinen Mann auf den Mond brachte. Erst war es Chruschtschow zu teuer (seine Devise war „Mais statt Mond“), dann erwiesen sich die Mond-Raketen des Chefkonstrukteurs Sergej Koroljow als Fehlentwicklungen, die nach dem frühen Tod von Koroljow erst recht keine Chance mehr hatten. Die bemannte Mondlandung der Amerikaner war der „Prawda“ dann nur eine Textnachricht im Mittelteil des Blattes wert.

Den aktuellen Stand der Mondmissionen schließlich umreißt die französische Dokumentation „Wem gehört der Mond?“. Hier werden die Aktivitäten und Absichten neuer Akteure wie China oder privater Milliardäre sowie der Stand internationaler Kooperationen umrissen und danach gefragt, ob der Mond als Startbasis für bemannte Mars-Missionen oder Rohstoffquelle dienen kann. Das Fazit klingt recht euphorisch: „Der Goldrausch auf dem Mond steht erst bevor, noch nie war die politische Bedeutung des Mondes so groß wie heute.“