Après-Ski wird Aper-Ski: Wintersport wird in Zukunft noch elitärer sein

Zu warm, zu wenig Schnee, die hohen Strompreise – das hat Folgen für die Skigebiete in ganz Europa. Der Wandel der Wintersportwelt hat begonnen.

Kaum Schnee in diesem Skigebiet bei dem französischen Dorf Bessans.
Kaum Schnee in diesem Skigebiet bei dem französischen Dorf Bessans.AFP/JEAN-PHILIPPE KSIAZEK

Altschnee, Blutschnee, Brettschnee, Faulschnee, Filzschnee, Firn, Flugschnee, Harsch, Windharsch, Schmelzharsch, Bruchharsch, Industrieschnee, Kunstschnee, Lawinenschnee, Lockerschnee, Nassschnee, Neuschnee, Pappschnee, Pulverschnee, Schwimmschnee, Sulz, Treibschnee oder der kalte, extrem locker gelagerte, kohäsionsarme und aus sehr kleinen Kristallen zusammengesetzte Wildschnee.

Das sind ziemlich viele, aber eben auch nicht alle deutschen Wörter für die unterschiedlichen Daseinsformen von Schnee. Dass die Inuit (ehemals Eskimos) Hunderte Schneewörter kennen, ist übrigens ein sich hartnäckig haltender Hoax. Und selbst das schneeerfahrene Bergvolk der Österreicher kommt nicht annährend an diese Fantasiemarke heran. Dafür gibt es dort – plus in der Schweiz und Teilen Süddeutschlands – ein Wort, das die Abwesenheit von Schnee wunderbar einsilbig beschreibt: aper.

Das neue Jahr startet mit Temperaturrekorden

Apere Skigebiete, also grüne Berghänge und dazwischen ein paar meist technisch erzeugte weiße Schneebänder, sind kein winteridyllisches Postkartenmotiv, wie wir es aus der Vergangenheit kennen. Sie stehen für eine sich erhitzende Gegenwart, in der ein Januar so tut, als wäre er ein März. Gleich in mehreren europäischen Ländern begann ja das neue Jahr mit Temperaturrekorden, etwa in den Niederlanden, Dänemark, Tschechien, Lettland, Litauen, Polen und Belarus.

Warme Winter und Skifahren oder Snowboarden bei Plusgraden, das gab es zwar schon früher oft. Aber selten war unter den Betreibern von Pisten und Seilbahnen, Hotels und Gastronomie die Sorge so groß, dass die künftigen Kälteperioden zu kurz sein könnten für ihr Geschäft. Ein Geschäft, das bereits an Weihnachten, wenn um die zwanzig Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet werden, arg gelitten hat. Und da ist noch nicht mal der teure Strom für die Schneekanonen oder die beheizten Lifte oder die Heizstrahler vor der Hütte eingepreist. Wird aus Après-Ski bald Aper-Ski?

„Mach aus deinen Skiern Brennholz und geh in den Keller zum Weinen“

„Gerade in den niedrigeren Lagen wird schon in sehr naher Zukunft kein profitabler Skibetrieb mehr möglich sein“, prognostiziert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Die Grenze zwischen „Was sollen wir bloß tun ohne Schnee?“ und „Noch sind wir schneesicher“ verläuft in den Alpen bei etwa 1500 Höhenmetern. Indizien für einen grundlegenden Wandel lassen sich bereits finden: In der Schweiz haben die ersten Skigebiete angekündigt, den Betrieb bis auf weiteres einzustellen, Österreich meldet schwere und tödliche Unfälle, weil beschneite Sturzräume fehlen, einige Gemeinden in Bayern nennen sich jetzt „Bergsteigerdörfer“ und nicht mehr „Wintersportorte“. Der zuständige Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagte dem Deutschlandfunk: „Wir können den Leuten nicht sagen: Bleib mit deinen Kindern zu Hause. Mach aus deinen Skiern Brennholz und geh in den Keller zum Weinen.“

Tränen werden vor allem bei Menschen fließen, die sich den ohnehin schon teuren bis elitären Wintersport in Zukunft nicht mehr werden leisten können. Skipasspreise sind überall in Europa um die zehn Prozent gestiegen, im Vergleich zur Vorsaison. Tendenz: natürlich nicht fallend. Für alle anderen bedeutet der verstärkte Einsatz von Schneekanonen, dass Wasser fehlen könnte, etwa bei der Stromproduktion. Willkommen in der neuen Aper class.