Intrige bei der Intrigenserie: Die US-Agentenserie "Homeland", die verworrene Komplotte im Amerika der Geheimdienste beleuchtet, ist von drei Graffiti-Künstlern reingelegt worden. Die Sprayer Heba Amin, Caram Kapp und Don Karl aus Ägypten und Berlin schreiben in einem am späten Mittwochabend veröffentlichten Statement, sie haben die Wände am Set der Serie in Berlin mit falschen arabischen Schriftzeichen verziert.

So steht auf den Mauersteinen eines nachgebauten libanesischen Flüchtlingscamps "Homeland ist keine Serie" und "Homeland ist rassistisch". "Diese Show repräsentiert die Sicht der Künstler nicht", ist anderswo zu lesen, oder "Homeland ist ein Witz, und wir haben nicht gelacht." Die Szenen in dieser Kulisse waren am 11. Oktober in der zweiten Folge der fünften "Homeland"-Staffel in den USA zu sehen. Gedreht wurden sie in Berlin, wo große Teile der neuen Staffel spielen.

Hier leben auch zwei der drei Kunstakteure. Caram Kapp zog vor 15 Jahren in die deutsche Hauptstadt, der 34-Jährige erklärt die Aktion am Telefon: "Wir kritisieren die Darstellung des arabischen Raums in 'Homeland'. Sie ist undifferenziert, ungenau und sehr parteiisch." Die Künstler werfen der Serie vor, es mit Details nicht allzu genau zu halten und den "bösen Muslimen" die "amerikanischen Beschützer" gegenüberzustellen, wie es im Statement heißt.

Fragt man Kapp allerdings nach "Homeland"-Figuren wie der sympathischen persischen CIA-Analystin Fara Sherazi, die im Kampf gegen den Terror ihr Leben verliert, antwortet er: "Da sollte ich besser nichts zu sagen, ich habe nur die ersten zwei Staffeln geschaut - und natürlich unsere, aktuelle Folge."

Die Idee zu dem Scoop hatten Kapp und die Gruppe, als Anfang Juni 2015 die "Homeland"-Anfrage kam. "Mein Bekannter beschäftigt sich von Berlin aus schon lange mit Graffiti im arabischen Raum. Deswegen kamen die Macher der Serie auf ihn zu, sie wollten authentische arabische Schriftzüge - und wir sahen diese einmalige Chance." Nur zwei Tage Zeit hätten ihnen die Set-Designer am Drehort in einer alten Chemiefabrik in Rüdersdorf zur Gestaltung der Kulisse gegeben.

"Die einzige Auflage war, keine existierenden Slogans oder politische Botschaften zu benutzen", berichtet Kapp. "Wir hätten niemals gedacht, dass weder das Produktionsteam noch die Schauspieler etwas merken. Die waren wohl alle so beschäftigt, ein hyper-realistisches Set zu konstruieren. Vielleicht konnte auch schlicht niemand Arabisch."

Die ausführende Produktionsfirma Studio Babelsberg wollte den Vorfall am Donnerstag nicht kommentieren. "Homeland"-Erfinder Alex Gansa sagte der Website deadline.com: "Wir hätten uns gewünscht, diese Bilder vor der Ausstrahlung zu entdecken." Zugleich bewunderte der Produzent "diesen Akt künstlerischer Sabotage". Kein Wunder: Der irre Komplott entspricht dem Stoff, aus dem auch "Homeland" selbst ist.