Es war nur eine Frage der Zeit, bis Arcade Fire in der Großarena ankommen würden. Im Grunde streben die Kanadier seit ihrem Debütalbum „Funeral“ aus dem Jahr 2004 dorthin, wo hymnische Gesänge und dichte, melodische Texturen durch die Abendhimmel wehen. Beispielsweise also in die Wuhlheide, wo die Band am Mittwochabend vor rund 15.000 Leuten ein Konzert gab.

Arcade Fire sind derzeit die erfolgreichste Indierockgruppe der Welt, ihre Alben – im letzten Herbst erschien mit „Reflektor“ das vierte – kratzen regelmäßig die Millionengrenze, und zur Tour für den Drittling „The Suburbs“ verkauften sie 2010 innerhalb von einer Viertelstunde zweimal die zwanzigtausend Plätze des New Yorker Madison Square Garden aus.

Doch so selbstverständlich sich Arcade Fire in solchen Dimensionen bewegen, so schien ihnen in der Wuhlheide die letztgültige Stadiontauglichkeit ein wenig abzugehen. Bands wie U2, die Rolling Stones oder auch Radiohead füllen ihre Riesenräume bis in die letzten Ränge mit Sound und Präsenz. Arcade Fire jedoch konnten den Druck von strafferen Stücken wie „No Cars Go“ und auch krachigeren Nummern wie der Zugabeneröffnung „Normal Person“ nicht bis nach hinten schieben. Das zog im Verbund mit der Taghelle, in der solche Auftritte mindestens beginnen, atmosphärische Dichte ab. Und in balladenhafteren Stücken wie der sehnsüchtig wechselhaften und schaukelnden Jugenderinnerung „The Suburbs“, einem ihrer schönsten Stücke, begann man als Hörer schnell vom Bühnengeschehen abzuschweifen.

Dazu kam noch, dass ihre Songs wesentlich von einer Idee getragen werden, die Sinn aus Chaos schöpft. Nicht nur sind die meisten der sechs festen Bandmitglieder multiinstrumental begabt und wechselten wimmelnd von Bässen zu Gitarren, von diversen Keyboards zu Akkordeon und allerlei Percussion. Noch der zehn Jahre alte Gassenhauer „Wake Up“ mit seinem ultraeingängigen Oh-Oh-Oh-Hipsterhooligan-Refrain, der das Konzert beendet, steigt letztlich aus zahlreichen, ineinander verzwirbelten Instrumentalsschichten empor – er braucht ein gewisses Volumen, um sich zu entfalten.