3700 Jahre alter Läusekamm entdeckt: Er verursacht heute noch Juckreiz

Die Ausrottungsfantasien gegen Kopfläuse sind vermutlich so alt wie die Menschheit. Nun wurde der erste buchstäbliche Fluch gefunden.

Da klebte einmal Blut dran. Der Läusekamm, dessen Inschrift nun entdeckt und entziffert wurde.
Da klebte einmal Blut dran. Der Läusekamm, dessen Inschrift nun entdeckt und entziffert wurde.Israel Antiquities Authority

Was sind schon 3700 Jahre, wenn man so unmittelbar mit seinen Vorfahren in Berührung kommt: In Israel wurde ein Läusekamm aus Elfenbein gefunden und darauf eine Inschrift – der älteste in kaanitischer Sprache verfasste Satz. Eine Sensation, teilt die Deutsche Presse-Agentur mit. Denn damit ist direkt bewiesen, dass schon damals das Alphabet im täglichen Leben verwendet wurde. „Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte der menschlichen Fähigkeit zu schreiben“, teilt die Hebräische Universität mit, in einem Satz, der nicht schön genug und thematisch zu fernliegend wäre, um ihn in einen Kamm zu ritzen.

Der Satz, den jemand Buchstabe für Buchstabe in das 3,5 mal 2,5 Zentimeter kleine, auf 1700 vor Christus datierte Objekt aus dem schon damals sehr kostbaren Material gekratzt hat, ist ein wutschnaubender, vernichtungswilliger und schnörkelloser Seufzer: „Möge dieser Stoßzahn die Läuse in Haar und Bart ausrotten“. Wer sich so dezidiert ausdrückt und die Mühe der Gravur sowie Kosten des Materials auf sich nimmt, wird seinen Grund haben. Man kann fast körperlich spüren, wie die in Zaum gehaltene Wut zwischen den Zähnen (denen des Mundes, nicht des Kamms) hervorgepresst wurde.

Mordlust und Verzweiflung

Dieser Satz muss eine leidvolle, juckende Vorgeschichte haben, während der sich die Verzweiflung aufgestaut und zu nicht ganz rationalen Handlungen geführt hat, die man dennoch nachvollziehen kann. Möglicherweise wurde diese Verzweiflung von einem findigen Kämme-Händler ausgenutzt, der die magische Kraft der Schrift und des hochwertigen Materials in Rechnung stellen konnte.

Wer selbst einmal mit Läusekämmen hantiert hat, weiß, wie einen dabei die Mordlust und Verzweiflung anschleichen. Heutzutage werden die Blutsauger und ihre Eier vor dem Rauskämmen zumeist mit einer Öltinktur erstickt, aber manchmal sieht man noch welche zwischen den Zinken zappeln. Bevor man sie mit dem Fingernagel knackt. Auch wenn man nicht über die Ausstattung der damaligen Schlaflager im Bilde ist, ahnt man doch, welch ein Aufwand betrieben werden musste, um die Viecher loszuwerden. Heute steckt man die Bettwäsche in die Waschmaschine, die Kuscheltiere in die Gefriertruhe – und genießt die Genugtuung, während man sich das qualvolle Ende der Blutsauger vorstellt, wie sie in der Lauge ertrinken oder in der Dunkelheit erfrieren.

3700 Jahre später, das sind immerhin knapp 200 Menschen- und über 60.000 Läusegenerationen, ist der blutige Kampf unserer und ihrer Vorfahren noch immer nicht ausgefochten.